Hundertwasser Ausstellung in Halver

Kunst im Regen

Das Werk „Die Olympischen Spiele 1972" zeigt München aus der Vogelperspektive. Böse Zungen behaupten, man könnte ein Attentat erkennen. Quelle: Isabel Scheele
Friedrich Hundertwasser benutzte oft Symbole wie den spirlenartigen Kreisverkehr, was auf dem Bild „Kreisverkehr der Straßengekreuzigten" gut zu erkennen ist, da es den Kernpunkt des Bildes darstellt. Quelle: Isabel Scheele
Friedrich Hundertwasser nutzte komplizierte Drucktechniken, um seine Werke herzustellen. Quelle: Isabel Scheele
Hundertwasser setzte sich oft für umweltschützende Organisationen ein und malte für sie Bilder. Quelle: Isabel Scheele
Hundertwasser entwarf Briefmarken, da er es als die Kunst ansah, die Aussage auf einem kleinen Bild zu erfassen. Quelle: Isabel Scheele
Hundertwasser nutzte in vielen Werken „Regen" als Motiv. Quelle: Isabel Scheele
Viele seiner Motive erfordern Phantasie, um sie zu erkennen. Quelle:Isabel Scheele
Man findet oft die sogenannten „Zwiebeltürme" in seinen Werken. Quelle: Isabel Scheele
Mache Werke leuchten im Dunkeln, da Phosphor verwendet wurde. Quelle: Isabel Scheele
Hundertwasser fertigte seine Werke teilweise mehrmals an. Er änderte dabei nur die Farbe, sodass es sich noch um Unikate handelte. Quelle: Isabel Scheele
Die Gesichter sollten seine Geliebten darstellen. Quelle: Isabel Scheele

HALVER. Rätselhafte Gesichter, bunteste Farben, welche im Dunkeln leuchten, metallische Töne und die kompliziertesten Malereitechniken - dies beschreibt die Hundertwasser-Ausstellung in Halver. Die kleine Villa Wippermann beherbergt zur Zeit einen Querschnitt der Ausstellung. Die ausgestellten Unikate zeigen in eindrucksvoller Form die komplizierten graphischen Techniken, welche Friedrich Hundertwasser perfekt beherrschte. 

Friedrich Hundertwasser wurde am 15. Dezember 1928 in Wien als Friedrich Stowasser geboren und wurde im 20. Jahrhundert nicht nur als Maler, sondern auch als Architekt und Ökologe bekannt. In seinen Werken setze er sich oft auch für gemeinnützige Zwecke ein. Er kreierte für umweltschützende Organisationen Kommentare, wie zum Beispiel sein Bild „Survival or Suicide - Rainforest“. Er zeigte mit seinen Bildern Missstände auf und spendete den Erlös an die jeweilige Organisation. Er starb am 19. Februar 2000.

Der Rundgang

In der kleinen weißen Villa können Besucher einen kleinen Teil Hundertwassers vieler Werke betrachten. Was auffällt: Hundertwasser verarbeitet in vielen Werken das Thema Regen. Ihm gefielen die verregneten Tage am besten, die Farben stechen besonders intensiv durch das regnerische Grau hervor. Außerdem findet man in vielen seiner Bilder Spiralen und Zwiebeltürme als Hauptmotive.

Bei der Führung durch das kleine Museum stand die kleine Gruppe irgendwann vor einem seiner abstrakten Kunstwerke. Die Museumsführerin Claire Fischer fragt in die Runde, was das Bild wohl darstellen soll. Ratlosigkeit unter den Besuchern. Das Wort „Zelle“ schießt mir in den Kopf, denn das Bild erinnert durch die vielen bunten Punkte an eine Zelle mit Zellkern und Mitochondrien aus dem Biologieunterricht. Aber nein. Das Bild soll ein „Automobil mit roten Regentropfen“ darstellen, wie der Titel verrät. Mit viel Phantasie hätte man vielleicht darauf kommen können. Viele seiner Werke regen so zum Nachdenken an, da nicht immer klar ist, was der Künstler sagen wollte. Ist das nicht das Besondere an der Kunst?  Manche Werke befassen sich auch mit politischen Themen wie „Die Flucht des Dalai Lama“, auf dem man mit ganz viel Phantasie den Titel Wiedererkennen könnte. 

Einige Bilder zeigen bunteste, abstrakte Gesichter mit vielen Augen oder metallischen Nuancen. Diese Gesichter sollen wohl seine Geliebten darstellen, wie die junge Museumsführerin Claire Fischer berichtet. Manche der Gesichter leuchten sogar im Dunkeln, da spezielle Techniken und Mittel benutzt wurden, welche sich am Tag mit Licht „aufladen“ und in der Dunkelheit dieses Licht wieder freisetzten können.

Der Künstler fertigte oft mehrere Exemplare des selben Motivs an, da er die Werke für jeden zugänglich machen wollte. Trotzdem sind es keine Kopien, sondern immer noch Unikate, da die Farbtöne von Bild zu Bild etwas abweichen. So wird das Motiv der Werke beibehalten, doch die Stimmung verändert sich. Das Werk „Bleeding Town - Good Morning City“ vervielfältigte er auf diese Weise, so war es möglich, einen einzigen Raum nur mit einem Bild in mehreren Varianten auszustellen, und doch konnte man jedes der Bilder als Unikat wahrnehmen.

Politik in den Bildern 

Ein Werk sticht besonders heraus. Meiner Meinung nach auf jeden Fall das Pompöseste. Die Serigrafie zeigt Hundertwassers Interpretation der Olympischen Spiele 1972. Das Werk hängt gleich zu Anfang der Ausstellung und soll wohl die olympischen Spiele aus der Vogelperspektive zeigen. Auch von diesem Werk wurde eine Vielzahl von buntesten Varianten angefertigt. In der Villa Wippermann hängt ein eher grünliches Exemplar. Während dieser Olympischen Spiele fand ein Attentat auf die israelische Mannschaft statt. Böse Zungen behaupten, Hundertwasser hätte eine Vorahnung gehabt oder wäre eingeweiht gewesen, da das Bild vor den Spielen entstand und man es anscheinend so interpretieren kann, als wäre dort ein Attentat zu sehen. 

Doch die Anekdote, die die Museumsführerin Claire Fischer zu seiner Darstellung der olympischen Spiele erzählt, ist um einiges schöner: Friedrich malte als kleiner Junge viele Bilder und versteckte sie vor neugierigen Augen hinter dem Spiegel der Mutter. Die Mutter warnte ihn, der Spiegel könnte von der Wand fallen und zerbrechen, doch der kleine Friedrich hörte nicht. Und wie Mütter des öfteren Recht behalten, fiel der Spiegel von der Wand und zersprang in tausend Teile. Daraufhin versprach Friedrich, ihr ein Bild zu malen, welches schöner ist als jeder Spiegel, und malte die olympischen Spiele.

Die einzigartige Technik 

Friedrich Hundertwasser benutzte unzählige verschiedenen Maltechniken. In vielen seiner Bilder wurde Phosphor verwendet, was dafür sorgt, dass die Werke im Dunkeln leuchten. Außerdem verwendete er Metallfolie, mit denen er die metallischen Töne entwarf, diese wurden dann in einem besonderen technischen Verfahren, einem System aus Gummilagen, aufgetragen.

Das gewisse Etwas 

Was ist das Besondere an Hundertwasser? Die meisten Bilder sind einfach schön und regen zum Nachdenken an. Kunst ist nicht immer schön. Manchmal ist Kunst hässlich. Wahrscheinlich würden die wenigsten „den Schrei“ von Edvard Munch als wirklich schön bezeichnen, doch Hundertwassers Werke haben die vielen satten Farben und metallischen Töne ein schönes gewisses Etwas. Das sah auch eine Besuchern des Museums so. Auf die Frage, was sie an der Ausstellung besonders findet, antwortete sie: „Mir gefällt das Bunte. Dadurch heben die Bilder sich ab“, berichtet sie nach der Führung. Die Museumsführerin Claire Fischer allerdings beeindrucken die komplizierten Techniken, wie in einem Gespräch erzählt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 7. Januar 2018 zu besuchen. Weitere Informationen auf www.austellung-hundertwasser.de.

Von Isabel Scheele
Veröffentlicht am 28.11.2017