Zwei junge Herscheider wandern den Jakobsweg

799 Kilometer in fünf Wochen

Fünf Wochen den Jakobsweg gehen - ein Abenteuer für zwei junge Menschen aus Deutschland. Foto: Kersenbrock
Der Jakobsweg führt über Felder und durch kleine Dörfer. Mal lief man zu mehreren, zu zweit oder auch alleine. Foto: Kersenbrock

HERSCHEID. Über Feldwege, durch zahlreiche spanische Dörfer und durch schöne Weinanbaufelder verläuft der Jakobsweg. Die 18-jährige Abiturientin Linda Kersenbrock aus Herscheid hat gemeinsam mit ihrem Cousin Leonard Franz den Pilgerweg bestritten. In fünf Wochen haben sie es geschafft, 799 Kilometer zu wandern.

Die aufregende Reise begann an der französisch spanischen Grenze in St. Jean Pied de port. „Zuerst sind wir über die Pyrenäen gelaufen", berichtet Linda Kersenbrock. „Wir waren sehr enttäuscht über die Grenze, wir dachten, sie wäre spektakulärer“, erinnert sich die junge Frau. Sie schildert, dass der Weg dort einfach zwischen zwei kleinen Felsen verläuft. Zwei Tage sind die beiden in Spanien, im Baskenland, unterwegs gewesen. „Die Bewohner sprechen dort einen Mix aus Französisch und Spanisch – ich habe kein Wort verstanden“, lacht Linda Kersenbrock, die von beiden Sprachen ein bisschen versteht. Übernachtet haben die beiden in Herbergen, teilweise mit fast hundert Menschen in nur einem Raum. Sie haben die Übernachtungsmöglichkeiten vorher nicht gebucht und haben so spontan entscheiden können, wie viel Strecke sie an einem Tag zurücklegen wollten. Nur auf den letzten hundert Kilometern war es sinnvoll, eine Herberge zu organisieren. Die Abiturientin erklärt: „Ab da bekommen die Pilger nämlich eine Urkunde, dass man den Camino Frances, wie der Jakobsweg auf Spanisch heißt, gewandert ist." Ausgeschlafen wurde trotz des Urlaubes nicht: „Anfangs sind wir um halb sieben losgelaufen und hinterher sind wir schon um halb fünf auf den Beinen gewesen." Bei den Nachmittagstemperaturen von 30 bis 37 Grad war es kaum möglich, den Weg später anzutreten. „Die Sonne ging erst um halb acht auf, solange konnten wir dann noch unter dem schönen Sternenhimmel wandern", schwärmt die 18-Jährige.  

Kuriose Erlebnisse

„An unserem schlechtesten Tag sind wir nur acht Kilometer gelaufen", gibt Linda Kersenbrock zu. „Sie haben sich auch viele Blasen gelaufen“, ergänzt ihre Mutter Birgit Kersenbrock daraufhin lachend. Die Schmerzen wurden jedoch von einem „Engel“ gelindert: „Eine alte Spanierin ist auf uns mit einer Spritze zugekommen, als wir fast nicht mehr laufen konnten. Sie meinte zu uns, dass sie uns reparieren könnte.“ Zunächst seien sie skeptisch gewesen, aber nachdem die Frau mit der Spritze die Flüssigkeit aus den Blasen gesaugt habe und den beiden dann Frauenbinden in die Schuhe geklebt hat, sei alles wieder viel besser gewesen. 

Zu jedem Abenteuer gehört auch manchmal eine Plage – jedenfalls liegt der Atlas, der auf der Reise gedient hat, immer noch bei den Kersenbrocks in der Gefriertruhe. Die Ursache: Bettwanzen. „Wir hatten uns in einer Herberge Bettwanzen eingefangen, die uns überall gebissen haben“, erinnert sich die Abiturientin zurück. Daraufhin mussten sie die ganze Wäsche waschen, den Rucksack einsprühen und ihn in eine Tüte packen. Dann kam dieser in die Sonne, zum Erhitzen. „Für die letzten eineinhalb Wochen habe ich mir meinen Rucksack hinterherschicken lassen. Das funktionierte sozusagen wie DHL für Wanderer“, lacht sie. 

Neue internationale Freundschaften

„Wir haben sehr viele Menschen aus anderen Nationen wie beispielsweise Korea, Taiwan oder Japan kennengelernt. Dabei haben wir neue Freundschaften geschlossen, zu denen ich auch noch heute, ein paar Monate später, in Kontakt stehe“, resümiert die Herscheiderin. Durch den regen Kontakt mit anderssprachigen Menschen, haben sich ihre Englischkenntnisse verbessert. Spannend dabei waren auch die Geschichten, die die Menschen mit sich trugen. Eine Familie, deren 15-jähriger Sohn von einer schweren Krankheit genesen war, ist den Weg aus Dank gelaufen. Die meisten Menschen pilgern den Weg meist aus religiösen Hintergründen. Linda Kersenbrock und ihr Cousin haben sich das aber ausgedacht, als sie 14 Jahre war, sozusagen als kleines Abenteuer, was sie zusammen erleben wollten.

Von Viola Schütz
Veröffentlicht am 13.10.2017