Volks Rock´n´Roll als Leidenschaft

Das Leben eines Andreas Gabalier Fans

Alina Grapentin mit ihrem Plakat, passend zur Geschichte mit dem kleinen Herz. (Foto: Nina Welz)
Alinas Stoffherz am Mikrofonständer von Andreas Gabalier. (Foto: Nina Welz)
Alle Tickets von Konzerten sammelt Alina in einem Ticketordner. (Foto: Nina Welz)
Eins der Tücher, die der Sänger bei seinen Konzerten in die menge wirft. (Foto: Nina Welz)
Die 19-Jährige Alina in ihrem Garten. (Foto: Nina Welz)

Der Sommer ist für viele Jugendliche und Erwachsene die Zeit der Festivals. Ob Schlager, Electronic oder Pop, die Wochen sind gefüllt mit Veranstaltungen überall auf der Welt. Das jemand mit gerade mal 19 Jahren schon mehrere Tausend Euro für Volks Rock´n´Roll ausgegeben hat, ist eher etwas Ungewöhnliches. Doch für Alina Grapentin ist das Alltag, denn sie reist durch ganz Deutschland um Andreas Gabalier auf seiner Tour zu verfolgen.

Eigentlich sieht sie völlig normal aus. Wenn Alina durch die Stadt läuft, würde niemand vermuten das sie am Wochenende acht Stunden vor Konzerthallen darauf wartet, in der ersten Reihe bei Andreas Gabalier Konzerten zu stehen. Eigentlich studiert die 19-Jährige Mathe, Deutsch und Englisch auf Grundschullehramt. Nebenbei betreut sie noch im Sportverein Kinder, um sich ihr Hobby zu finanzieren.

Seit 2013 war Alina auf 25 Konzerten von Andreas Gabalier. Für ihn hat sie schon 2000 Euro ausgegeben, und das ohne Anfahrt und Unterkunft. Mittlerweile hat sie durch diese Leidenschaft aber schon einige Freunde gefunden, die mit ihr die Konzerte besuchen und bei denen sie übernachten kann. „Ich habe überall in Deutschland, Österreich und in der Schweiz tolle Freunde gefunden.“, erzählt die 19-Jährige. Für sie ist es etwas Schönes, Freunde zu haben die ihr Hobby teilen. Da hat sie durchaus auch schon andere Erfahrungen gemacht. Wenn sie neue Leute kennenlernt, wird oft erst einmal komisch geschaut, wenn sie von ihrem Hobby erzählt. Allerdings ist sie sich selbst bewusst, dass es manchmal etwas schwierig sein kann, wenn sie fast jedes Wochenende unterwegs ist. Alina weiß auch selbst, dass viele denken sie wäre total verknallt in Andreas Gabalier. Dazu hat sie ein klares Statement: „Ich bin alt genug um zu unterscheiden, zwischen Fan-Liebe und echter Liebe.“

Für ein Ticket zahlt Alina dieses Jahr 100 Euro. Eigentlich sind nicht alle Tickets so teuer, aber sie hat einen Stammplatz, den sie immer besetzen möchte. Der kostet sie dann noch mehr Geld. Schon öfters hat der Volks Rock´n´Roller Andreas Gabalier Fotos mit ihr gemacht. Meistens erkennt er Alina sogar auf ihrem Stammplatz, natürlich in Dirndl und bereit für ein neues Foto.  An der Wand ihres Zimmers hängen viele Fotos. Selfies mit dem Sänger stechen heraus. Der Volks Rock´n´Roll-Fan hat Glück: Sie hat bereits zahlreiche Bilder mit Andreas Gabalier gesammelt. Alina meint, dass einige Freundinnen ebenfalls auf vielen Konzerten waren, doch der Volks Rock´n´Roller einfach immer an ihnen vorbei geht. Da lässt die 19-Jährige dann doch den Vorrang, und verzichtet auf ein weiteres Foto. Als sie ein Konzert besucht hat, wurde der Sänger sogar auf ihr Schild aufmerksam, auf dem stand das sie zum 20. Mal auf einem seiner Konzerte war. Schnell organisierte er eine Freikarte, für eine der nächsten Veranstaltungen.

Besondere Momente mit dem Sänger hatte Alina schon viele. Aber besonders schnell schlägt ihr Herz, wenn sie an ein Stoffherz denkt. Bei seinen Konzerten wirft der Musiker karierte Tücher in die Menge, welche die Fans auffangen können. Alina hat schon einige davon, aber eins hat ihre Mutter zu einem kleinen Herz umgenäht. Bei einem der Konzerte warf sie es zu ihm auf die Bühne. Andreas Gabalier nahm es, und band es an sein Mikrofon, das stets an einem Holzstab befestigt ist. Das kleine Herz nahm er so mit auf seine nächsten Konzerte. Selbst auf einer Kreuzfahrt war es dabei. Auch wenn Alina selbst nicht bei allen Konzerten sein konnte, auf deinen ihr kleines Herz mitreiste, so schickten doch all ihre Freundinnen Fotos davon. Passend dazu fertigte die 19-Jährige sogar ein Plakat an, auf dem sie die Geschichte ihres Stoffherzen erzählt.

Selbst im Winter warten Alina und ihre Freundinnen bei Minustemperaturen auf den Einlass der Konzerte von Andreas Gabalier. Mit Rettungsdecken müssen sie sich wärmen. Nicht selten ist es passiert, dass Alina beim Warten eingeschlafen ist. „In Frankfurt war ich schon relativ spät, da waren schon etwa 10 Leute vor mir da.“, berichtet die 19-Jährige. Sie möchte immerhin nicht nur in die erste Reihe, sondern an ihren Stammplatz. Und das geht nur, wenn sie vor den anderen in die Location kommt. Doch in den acht Stunden haben die Volks Rock´n´Roll-Fans sich bereits einige Beschäftigungen einfallen lassen. Alina macht ihren Freundinnen während der Wartezeit die Haare, sie lackieren sich die Nägel, oder essen gemeinsam etwas.

Aufregend wird es vor allem, wenn dann der Einlass beginnt. Die Fans rennen los, um sich die besten Plätze zu sichern. In solch einer Situation kann schnell etwas schief gehen. Eine Freundin von Alina, fiel bei einem Konzert beim Einlass so unglücklich hin, dass sie in die Notaufnahme musste. Und auch sie selbst hatte schon Probleme beim Einlass. Als ihre Karte plötzlich nicht funktionierte, musste sie mit ansehen, wie alle anderen Fans an ihr vorbeirannten. Zum Glück konnte Alinas Mutter ihren Stammplatz sichern, die an diesem Abend dabei war.

Als Alina noch minderjährig war, musste ihre Mutter mit ihr zu den Konzerten. Sie selbst mag Andreas Gabalier zwar auch, jedoch nicht im selben Ausmaß wie ihre Tochter. Für sie ist dieses ungewöhnliche Hobby aber trotzdem angenehm. Natürlich ist es kostspielig, aber sie findet das es auch andere Hobbys gibt die teuer sind. „Es ist irgendwo auch begrenzt.“, meint sie. Irgendwann, wird Alina wohl nicht mehr zu Konzerten gehen, oder Andreas Gabalier hört auf. Immerhin ist es ihr lieber als eine gefährliche Leidenschaft, wie zum Beispiel klettern, oder Fallschirmspringen.

Alina ist unfassbar glücklich mit ihrer etwas ungewöhnlichen Leidenschaft. Sie ist froh, dass ihre Familie sie unterstützt und sie Freunde gefunden hat, die sich mit ihrem Hobby arrangieren. Ob sie irgendwann nicht mehr Andreas Gabalier hört, weiß sie noch nicht. Vielleicht will sie irgendwann einmal ihren Kindern von ihm erzählen, oder falls es möglich ist, mit ihnen sogar auf ein Konzert gehen.

Von Nina Welz
Veröffentlicht am 16.07.2019

Nina Welz

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