Erste Hilfe für die Seele

Hartmut Marks kümmert sich hauptsächlich um Angehörige von Verstorbenen (Foto: Website der Notfallseelsorger Iserlohn)

ISERLOHN. Wenn etwas Schlimmes passiert, ist fast immer die Feuerwehr, Polizei oder ein Rettungssanitäter zur Stelle, um Brände zu löschen oder um sich um Verletze zu kümmern. Wunden werden verarztet, Opfer versorgt, Tote geborgen. Doch wer kümmert sich um die seelischen Schäden?

Hartmut Marks ist leitender Notfallseelsorger in Iserlohn und spendet Hinterbliebenen Trost. Die Hauptaufgabe der Notfallseelsorger ist die Überbringung der Todesnachricht und ein anschließendes Gespräch. Hierfür begleitet der Notfallseelsorger die Polizei und die Hinterbliebenen ein Stück weit bei der Trauerverarbeitung. Hauptsächlich gehe es dabei um Suizid, Tod in der eigenen Familie oder Kindestod. Helmut Marks beschreibt die Notfallseelsorge selbst als „Erste Hilfe für die Seele“.

Viele der Seelsorger arbeiten ehrenamtlich, manche Hauptberuflich. Die Ausbildung dauert ein Jahr, doch selbst nach der Ausbildung ist meist noch nicht klar, ob der Beruf wirklich für sie geeignet ist, da man sehr viel Mitgefühl aufbringen muss, die Geschichten jedoch selbst nicht an sich heran lassen darf. Hartmut Marks sieht seine Aufgabe dann ein Stück dieser Trauer zu nehmen und Trost zu spenden - insofern das möglich ist. 

Emotionale Betroffenheit 

Eine Frage liegt natürlich auf der Hand: Geht das Gesehene nicht an die Substanz? Ja tut es, denn auch für die Seelsorger gibt es Seelsorger. Nicht nur Angehörige, die ein Familienmitglied verloren haben, erhalten Hilfe, sondern auch Feuerwehrleute, Polizisten und Zuschauer, welche einen tragischen Unfall gesehen haben. Am Schlimmsten ist es, wenn ein Kind zu Tode kommt oder involviert ist. Hartmut Marks berichtet von einem Unfall bei dem ein kleines Mädchen im Schwimmbad starb: „Der Unfall war so schlimm, dass sogar die Zuschauer seelische Unterstützung brauchten. Natürlich muss in erster Linie die Familie betreut werden, doch manchmal reicht das nicht.“ Eine weitere Besonderheit, Hartmut Marks weiß vorher nie welches Szenario er vorfindet und wie die Hinterbliebenen reagieren: „Man weiß nie, was passiert oder wo man eintrifft. Das ist ein komisches Gefühl.“

Religion?

Manche Menschen, welche an Gott glauben, finden Trost in ihrer Religion. Da Hartmut Marks als evangelischer Theologie praktiziert, kann er den Menschen helfen zu ihrem Gott zu finden, dann wird oft am Ende eines Gespräches ein Gebet gesprochen. Doch auch Atheisten verlieren Angehörige. Es geht bei der Notfallseelsorge nämlich nicht um Religion, denn jedem Menschen wird individuell geholfen, frei von Konfession, es geht darum die Einsamkeit zu nehmen. Hartmut Marks trennt Seelsorge und Glaube:„Wir müssen jedem Menschen so individuell helfen, wie es eben geht. Die Religion ist nebensächlich. Es sei denn, es ist gewünscht.“

Vor der Seelsorge

Die Notfallseelsorge gibt es erst, seit circa 20 Jahren. Früher gab es keine Hilfe, auch nicht für die Feuerwehr, welche heutzutage viel Hilfe in Anspruch nehmen kann. Da Feuerwehrleute meist mit Brandopfern zu tun haben, müssen auch sie Bilder und Eindrücke verarbeiten. Hierfür gibt es sogenannte „PSU- Teams“ (Team zur psychosozialen Unterstützung) welche, ähnlich wie die Notfallseelsorger über Trauer und traumarisierende Ereignisse hinweg helfen.

  Es gibt immer Organisationen an die man sich wenden kann und Unterstützung bekommt, was man auch tun sollte. Denn Trauer ist keine Krankheit, aber kann krank machen. 

Von Isabel Scheele
Veröffentlicht am 20.12.2017