Beruf Krankenpflegerin

Immer direkt am Patienten

Lea befindet sich aktuell in der Ausbildung zur Krankenpflegerin. Foto: Privat

Lea (20) ist Krankenpflegerin. Seit fast genau einem Jahr macht sie eine Ausbildung zur Krankenpflegerin in Berlin Mitte. In ihrem Beruf wird sie tagtäglich mit körperlichen und physischen Herausforderungen konfrontiert.

BERLIN. Wenn die nächtlichen Partygänger in der Morgendämmerung nach Hause fahren klingelt bei Lea um halb fünf Uhr morgens der Wecker. Am Abend vorher wurde schon alles für die Frühschicht vorbereitet. Selbstgeschmierte Brote, sowie die Arbeitskleidung liegen schon zum Mitnehmen bereit. Lea wohnt mit drei Freunden und ihrem Bruder in einer Wohngemeinschaft. Die WG liegt im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Dort leben hauptsächlich junge Berufstätige. Nachdem Lea ihre Wohnung verlassen hat, geht es mit der Straßenbahn in Richtung Krankenhaus. Mit der Straßenbahnlinie M10, welche die Bezirke Prenzlauer Berg und Mitte verbindet, fährt Lea um fünf Uhr los und erreicht das Krankenhaus in Berlin Mitte innerhalb einer halben Stunde. 

"Ich wollte unbedingt mit Menschen arbeiten“ 

Nachdem sie ihr Abitur mit einem erstklassigen Notendurchschnitt beendet hatte, war es für sie klar, dass eine medizinische Ausbildung der nächste Schritt für sie sein sollte. Lea arbeitet auf der Inneren Station, welche sich in drei Fachbereiche unterteilt. Die Diabetologie (wissenschaftliche Erforschung der Zuckerkrankheit), Gastroenterologie (Teilgebiet der inneren Medizin, das sich mit den Krankheiten des Verdauungsapparates befasst) und die Geriatrie (Altersheilkunde).

Vor Ort werden ihr jeden Tag Zimmer zugeteilt, die sie entweder alleine versorgt oder sie erledigt Teilaufgaben in verschieden Bereichen und Zimmern. Die zu erledigende Arbeit variiert stark zwischen Früh- und Spätschicht. Die Frühschicht startet mit einem Kontrollgang. Die insgesamt dreißig Auszubildenden werden zunächst in Gruppen eingeteilt und es wird geschaut, welche Patienten versorgt und gewaschen werden müssen. Darauf folgen die Untersuchungen. Der Tagesablauf besteht hauptsächlich daraus, dass Lea den hilfsbedürftigen Menschen bei ihren Alltagssituationen unter den Arm greift. Sei es der Weg auf die Toilette oder das Betreuen der Menschen während der Essenszeiten. Die Patienten sind größtenteils alte Menschen. Dennoch variiert das Patientenalter stark von der abhängigen Station. Viele ekeln sich davor, älteren und hilflosen Menschen in solch intimen Situationen zu helfen. Lea macht so etwas aber nichts aus. Im Gegenteil. Als Krankenpflegerin ist sie täglich für ihre Patienten da und begleitet kranke Menschen auch in schwierigen Zeiten. “Ich habe schon im Laufe meines Lebens gemerkt, dass ich solche Jobs machen kann und will. Ich will die Leute in der Bestmöglichen Form unterstützen, die ich liefern kann.“ 

Einschränkungen durch Covid-19? 

Aufgrund der aktuellen Covid-19 Pandemie werden zurzeit im Krankenhaus strikte Maßnahmen ergriffen. Lea und ihre Kollegen sind zum Schutz ihrer Patienten dazu verpflichtet jederzeit Mund-und Nasenschutz zu tragen. Es herrschen auch hier strenge Maßnahmen. “Aufgrund von Angebotslücken müssen wir jeden Tag unseren Gebrauch von Kitteln, sowie Mundschutze dokumentieren. Früher war das nicht der Fall, da waren diese Produkte Massenware.“ Ebenso wurden mehrere Betten gesperrt, um mehr Platz für Notfallpatienten zu schaffen. Neben den geläufigen Krankenpfleger Teams ist jederzeit auch ein auf Covid-19 speziell vorbereitetes Team vor Ort. Dies tritt in Erscheinung, wenn es zu Verdachtsfällen auf der Station kommen sollte. Die Patienten über die aktuelle Covid-19 Situation auf dem Laufenden zu halten, ist auch hier ebenfalls Teil von Leas aktuellem Tagesablauf.  

Die Gesundheit der Patienten hat Vorrang

Angst davor, sich selbst auf der Station zu infizieren hat Lea aber nicht. “Die Stimmung ist momentan natürlich angespannter als sonst, aber tendenziell nein. Auch wenn das blöd klingen mag, aber ich sehe das als mein Berufsrisiko. Ich habe mehr Angst davor meine Patienten zu gefährden, als mich selbst“. Natürlich ist dies auch Gesprächsthema zwischen Lea und ihren Patienten. Die meisten machen sich Sorgen, da man aufgrund von langen Krankenhausaufenthalten von den Geschehnissen außerhalb abgekoppelt sei. 

Professionalität wird hier großgeschrieben 

Ausscheidungen, Sekrete und frühes Aufstehen. Nicht gerade die attraktivsten Arbeitsverhältnisse. Dennoch ist die Körperpflege der Patienten von großer Wichtigkeit. Intimste Körperstellen von Fremden dürfen dabei niemanden abschrecken.“Natürlich habe ich Tage, an denen ich nach Hause komme und mich frage, was das heute für ein Tag gewesen ist. Aber das gehört zur Arbeit dazu. Jeder Tag ist anders. In diesen Momenten verhält man sich professionell und macht einfach seine Arbeit." Am besten an ihrer Ausbildung gefällt ihr der Kontakt zu den Patienten: “Ich bekomme ein sofortiges und ehrliches Feedback von meinen Patienten. Auch, wenn ich einen anstrengenden Job mache, das was ich von den Menschen zurückbekomme rührt mich teilweise sehr. Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn sich ein ehemaliger Patient für die gute Behandlung im Nachhinein bedankt.“ 

Das Ziel nach der Ausbildung: Ein Studium im Bereich der Medizin anzufangen. Obwohl die Studienplätze stark umkämpft sind, ist die Hoffnung groß eines Tages an der FU Berlin ein Studienplatz zu bekommen. “Da sehr sehr viele Medizin studieren wollen und der NC auch dementsprechend hoch ist, ist momentan noch offen was danach passiert. Aber ich bin generell ein optimistischer Mensch.“ Bis dahin wird Lea noch zwei weitere Jahre in ihrer Ausbildung als Krankenpflegerin arbeiten.  

Von Mats Kittner
Veröffentlicht am 29.04.2020

Mats Kittner

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