Freilichtmuseum Hagen

Die Vergangenheit vor der Haustür

Ein Museuem im Grünen. Foto: Sina Ertelt

HAGEN. Ein Schritt und schon in der Vergangenheit. In den Ausläufen vom Sauerland liegt das LWL Freilichtmuseum Hagen. Museen verändern sich über die Zeit, um neue Besucher anzulocken und zu halten. Inwieweit kann sich das Interesse für ein Museum, dass sich der alten Handwerkskunst und Technik widmet in der heutigen Zeit halten?

Der Geruch von frisch gebackenem Brot in der Luft, die Geräusche von einer Schmiede im Hintergrund.

Keine Autos auf den Straßen, ein kleiner Bach fließt zwischen den alten Häusern durch.

Die Vergangenheit so fern und doch so nahe durch das Freilichtmuseum Hagen.

 

Ein Museum, dass sich der Geschichte von Handwerk und Technik widmet

Nicht nur das Freilichtmuseum befindet sich mit seinen Ausstellungen in der Vergangenheit, die Geschichte des Museums selbst, zieht sich bis in die 1920er zurück. Laut Website des Freilichtmuseums gab es eine Gruppe von Ingenieuren und Heimatschützern, die technische Denkmäler bewahren wollten.

Um 1930 wurde das „Mäckingerbachtal“ als Standort für das Museum vorgeschlagen und bis heute befindet sich das Museum noch dort. Dieses Tal wurde deswegen gewählt und beschlossen, weil es durch seine besondere Lage, die im 18ten und 19ten Jahrhunderten wichtigen Standortfaktoren wie Wind, Wasser und Wald, vereint.

Das besondere an dem Museum, neben seiner Lage, ist auch, dass es damals eines der ersten Museen war, die sich auf die Technik und ihre Geschichte spezialisiert hat.

1973 wurde das Museum dann für das Publikum eröffnet.

 

Über die Jahre bis zum heutigen Datum hat das Museum noch viele Änderungen durchschritten. So wurde zum Beispiel die Museumspädagogik ausgebaut und neue Häuser kamen dazu. Heute umfasst das Museum etwa sechzig Werkstätten, in denen teilweise zu Vorführungszwecken gearbeitet wird.

Der Weihnachtsmarkt, der jedes Jahr rund 25.000 Besucher anlockt, wurde eingeführt und verschiedene Ausstellungen wurden gezeigt.

 

Die Auswirkungen der Medienflut auf das Interesse

Instagram, Facebook, WhatsApp. Die Menschen halten sich immer öfter auf den Plattformen von Social Media auf. Eine Reizüberflutung findet statt und alles befindet sich im Wandel.

Inwieweit kann sich durch diese Mediennutzung das Interesse verändern?

Die Pressesprecherin des Freilichtmuseums Hagen Ute Wenning-Kuschel klärt auf und beantwortet die Frage, dass das Interesse dadurch nicht vermindert sei. Die Besucherzahlen seien in den letzten vier Jahren gestiegen.  Gründe dafür seien unter anderem der Weihnachtsmarkt, die Landschaft und die verschiedenen Aktivitäten wie zum Beispiel das Oldtimer Treffen. Des Weiteren habe auch das Wetter eine große Rolle gespielt. Dennoch erreiche das Museum nicht die Besucherzahlen wie in seiner Hochzeit in den 1980er Jahren.

Aber auch die Museumspädagogik, die sich an die Besucher richtet, habe viel dazu beigetragen. Der Rundweg und die Häuser wurden angepasst, sodass sie auch ohne Treppen zu erreichen sind. Mehr Bänke seien aufgestellt und Spielplätze eingerichtet worden. Des Weiteren werde auch auf Hör- und Sehbehinderung eingegangen.

 

Interessenbindung von Jüngeren

Um noch mehr das Interesse von den Jüngeren zu bekommen und aufrechtzuerhalten, biete das Museum auch verschiedene Angebot an.

So, laut Ute Wenning-Kuschel, gäbe es verschiedene Workshops, in denen man auch selbst handanlegen dürfe. So können Kinder selbst Papier aus alten Zeitungen herstellen.

Laternenumzüge für die Kindergärten und ein Ferienprogramm wurde eingeführt. Außerdem gibt es Mobilitätszuschüsse für die Schulen und für Schüler und Studenten gibt es Rabatte.

 

Wahrnehmung der Veränderungen

Das Freilichtmuseum konnte das Interesse der Besucher aufrechterhalten.

Es wurden verschiedene Veränderungen durchgeführt, jedoch stellt sich dann einem die Frage, ob dies jeder wahrnimmt.

Marita Ertelt, die das Museum schon seit mehreren Jahren nicht mehr besucht hatte, stellte fest, dass sich das Museum verändert habe und dennoch das gleiche geblieben sei. Häuser und Werkstätten seien dazu gekommen, aber obwohl es umgebaut worden ist, sei die Atmosphäre immer noch die gleiche.

Fernab der Straße trete man durch den Eingang und man befände sich in einer anderen Welt. Durch Texte und Bilder werde die Vergangenheit griffiger gestaltet und man könne sich noch ein bisschen mehr hineinfinden, so die Besucherin.

 

 Tatsächlich, so wurde es wahrgenommen, kämen durch die Umbauarbeiten mehr Spielplätze hinzu und nun befänden sich mehr Sitzbänke auf den Wegen. Die Häuser und Werkstätten wären angerichtet, dass sie ein kleines Dorf mit einem Dorfplatz bilden.

 

„Für die, denen es wichtig ist… es gibt jetzt auch unterwegs eine Toilette“, meint Marita Ertelt und erinnert sich noch, dass es damals nur eine Toilette am Ende des Museums gegeben hat.

Es zeigt sich, vieles hat sich verändert und die Besucher nehmen es auch wahr.

 

„Das Freilichtmuseum ist immer noch nicht überdacht“

Bei Regen ins Freilichtmuseum und dennoch verändere es nichts von der Erfahrung, so Marita Ertelt.

Die Atmosphäre von der Vergangenheit werde noch mehr aufgegriffen und es gäbe keine Schlangen für die Werkstätten.

Und sobald man das Dorf erreiche mit der Bäckerei, die schon immer vor Ort frisch Brot selbst backt und verkaufe, könne man darüber hinweg sehen, dass es regnet.

 

„Das Freilichtmuseum ist immer noch nicht überdacht“, ist wohl die größte Kritik von Marita Ertelt an das Museum.

 

Von Sina Ertelt
Veröffentlicht am 30.10.2019

Sina Ertelt