Übertragung der Fußball-Weltmeisterschaft

Heimatversorger-Arena statt Schillerplatz – Public Viewing in Iserlohn

Mike Kowalski neben einem Aufsteller für das anstehende Public Viewing zu sehen. Foto: Daniel Immel

ISERLOHN. Deutschland erfand es 2006. Danach gab es so etwas in fast jeder Stadt und jedem Dorf – Public Viewing. Alle zwei Jahre, wenn eine Welt- oder Europameisterschaft ansteht, kommen Massen an Menschen zum Rudelgucken zusammen. Doch in Iserlohn hat sich einiges in Sachen Public Viewing getan. War früher der Schillerplatz der Ort der Zusammenkunft, ist es nun das Gelände des Heimatversorgers der Stadtwerke Iserlohn.

Zwischen 2006 und 2010 wurden die großen Fußballturniere auf dem Schillerplatz übertragen. Danach wurde das Großereignis eingestellt, zu hoch waren die Kosten und der Aufwand, der damit verbunden war. Einerseits musste die Leinwand rund um die Uhr bewacht werden, was enorme Kosten für externe Dienste bedeutet. Andererseits bringen die Themen Sicherheit und Standort auch monetäre und nicht monetäre Kosten mit sich, da z.B. Pachtgebühren für einen öffentlichen Platz anfallen. Folglich wurden die nächsten beiden großen Herrenturniere nicht übertragen. Für eine 90.000 Einwohner-Stadt ist sowas zwar nicht problematisch, dennoch ist es eigentlich selbstverständlich solche Events anbieten zu können.

2016 hat gezeigt, wie es funktionieren kann

In diesem Jahr bieten zum zweiten Mal in Folge die Stadtwerke Iserlohn ein Public Viewing auf dem Betriebsgelände an der Stefanstraße an, gezeigt werden nur die deutschen Spiele. „2015 konnte ich die Geschäftsführung überzeugen, diese Fußballveranstaltung hier auf unserem Hof durchzuführen“, erzählt Mike Kowalski, Marketingleiter des Heimatversorgers. Die Infrastruktur und das Gelände würden sich für die Umsetzung eignen. Das Gelände ist umzäunt und kann die wichtigsten Kriterien für eine Umsetzung eines solchen Events bieten: den Sicherheitsaspekt und die Überwachung. Die Leinwand auf dem eigenen Gebiet zu haben, bedeutet, dass man sie rund um die Uhr im Auge hat und nicht extern bewachen lassen muss.

Da es vor zwei Jahren gut angenommen wurde und die Zahl der Gäste von Spiel zu Spiel weiter gestiegen ist, hofft man in diesem Jahr auf eine Vielzahl an Interessierten. Beim Halbfinalspiel gegen Frankreich, Deutschland verlor 0:2, kamen knapp 2.500 Zuschauer. Insgesamt wird eine Zahl bis knapp 5.000 Zuschauern genehmigt. Der Eintritt kostet regulär Einen Euro. Der Veranstalter hofft, diese Marke im Turnierverlauf zu erreichen. Durch professionelle Arbeit und positiver Resonanz versprühen die Verantwortlichen Optimismus. Schließlich wurde extra die größte LED-Leinwand Südwestfalens besorgt.

Damit auch wirklich genug Menschen kommen, setzt der Heimatversorger auf ein breites Rahmenprogramm. Neben reichlich Bier und Essen wird das Angebot durch Unterhaltung erweitert. Ein Rodeo wird aufgebaut.

Während in Dortmund in die Röhre geguckt wird, findet Public Viewing in Iserlohn statt

Entgegen kommt dem Veranstalter, dass die Auflagen im Vergleich zu 2016 nicht wesentlich verschärft wurden. „Es ist für uns gar nicht mal so schwierig die Auflagen für ein Public Viewing zu erfüllen“, sagt Mike Kowalski: „ Es kommt uns sehr entgegen, dass wir es auf einem privaten Gelände veranstalten können und nicht auf einem öffentlichen Platz.“

In vielen deutschen Städten wird es in diesem Jahr hingegen kein Public Viewing geben, Dortmund und Hannover werden dieses Jahr kein größeres Event austragen. Grund hierfür ist der Sicherheitsaspekt, der mit zu hohen Kosten und enormen Aufwand verbunden ist. Da die damit verbundenen Kosten und Umstände nicht einfach so beglichen werden können, wird es in vielen Großstädten folglich kein Rudelgucken geben können. Nun muss vielerorts die örtliche Kneipe, der ansässige Biergarten oder halt eben das eigene Wohnzimmer herhalten.

Viel Aufwand und Hilfe

Seit November laufen die Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaft. Genehmigungen müssen eingeholt werden, Ausschreibungen laufen, Kooperationsgespräche mit Werbepartnern werden geführt. Dazu kommen Personalplanung, Gespräche mit dem Sicherheitsdienst und natürlich viel Pressearbeit. Danach beginnt dann die Umsetzung. Leinwand, Bierbuden und Imbissstände bauen sich schließlich nicht von alleine auf, betrieben werden müssen sie ebenfalls. Daher ist der Veranstalter zufrieden, dass lokale Vereine und Sponsoren ihre Hilfe anbieten und das Event somit ermöglichen. Ansonsten wären die Kosten für eine Umsetzung zu hoch.

Es bleibt aber abzuwarten, wie das Event ankommt, der Erfolg wird von der deutschen Nationalmannschaft abhängen. Doch für eine 90.000 Einwohner Stadt ist es jedenfalls positiv ein solches Event anbieten zu können.

Von Daniel Immel
Veröffentlicht am 05.06.2018