Duell der Woche

Corona Krise: Streitfall Schule

So sahen in den vergangenen Wochen alle Klassenzimmer in Deutschland aus, doch dies soll sich nun ändern. Foto: Pixabay

Seit vier Wochen sind nun die Schulen in Deutschland geschlossen und die Schüler werden über die Online-Lehre unterrichtet. Ob die geplante Schulöffnung katastrophale Auswirkungen mit sich führen wird oder eine Chance für Schüler und Lehrer ist, die Defizite der vergangen Wochen aufzuarbeiten, bleibt abzuwarten. Unsere Redakteure äußern sich dazu in unserem Duell der Woche.

Lasst die Schulen geschlossen!
Von Tamara Berg

Die Bundesregierung diskutiert aktuell, ob die Schulen in Kürze wieder für Erstklässler, Viertklässler und Abiturienten geöffnet werden sollen. Unterrichtet wird zurzeit Online. Deshalb gibt es keinen Grund, weshalb zahlreiche Leben riskiert werden sollten, nur um die Schule von Innen statt über den Bildschirm sehen zu können. 

Mittlerweile befinden wir uns in der vierten Woche, ohne Schul- oder Universitätsbesuche. Der Tag der deutschlandweiten Schuleröffnung, soll der 4. Mai sein. Welche Risiken durch die Aufhebung der Schließung entstehen können, ist den Meisten tragischer Weise nicht bewusst. Auch Schüler, die nicht zu der besagten Risikogruppe gehören, sollten auf ihre Nächsten Acht geben. Rücksichtsvolles Verhalten und die Beachtung der Sicherheitsmaßnahmen, haben oberste Priorität.  

Unzumutbare Disziplin für Grundschulkinder

Wie würde sich wohl ein Grundschüler fühlen, wenn er endlich seine Freunde in der Schule sieht und sie zusammen auf dem Schulhof spielen können? Mit Sicherheit würde er sich freuen, aber würde diese Freude anhalten, wenn er wüsste, mit welchen Gefahren er damit seine Omi und seinen Opi aussetzen würde, die zur Risikogruppe gehören – wohl kaum. Wie sollen die Eltern ihren Kindern erklären, dass der Besuch der Schule in Ordnung ist, aber der zu den Großeltern nicht? Weder für die Kinder, Eltern, Großeltern oder Lehrer, ist die Schulöffnung von Vorteil. Das Risiko sich gegenseitig anzustecken und somit auch den Rest der Familie zu infizieren, ist zu hoch.

Dazu kommt, dass es besonders Kindern schwerfällt, den besagten Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten und sich gründlich die Hände zu desinfizieren und Mundschutz zu tragen. Die Grundschulkinder sollen mit entsprechenden Abständen auseinander sitzen und den Kontakt zu ihren Schulkameraden vermeiden. Wie jedoch Fächer, wie der Sportunterricht ordnungsgemäß durchgeführt werden sollen, bleibt ein Rätsel. Es kann nicht von Kindern in dem Alter erwartet werden, eine derart strikte Disziplin an den Tag zu legen. Ein weiterer Aspekt ist der Schultransfer. Es ist schier unmöglich, alle Kinder in den Bussen zur Schule und anschließend wieder nach Hause fahren zu lassen, ohne das sie Kontakt miteinander aufnehmen und somit unbewusst gegen die Vorschriften zu verstoßen. 

Vorteile der Online-Lehre

Ich selbst bin Studentin und kann aufgrund von Covid-19 nicht zur Universität gehen und habe stattdessen Online-Vorlesungen. Es ist zwar ungewohnt den Dozenten und seine Kommilitonen nur über den Bildschirm sehen zu können, dies hat aber durchaus seine Vorteile. Neben dem Luxus den ganzen Tag im Schlafanzug rum zu laufen, während den Vorlesungen essen zu können oder erst fünf Minuten vor Vorlesungsbeginn aufzustehen, kann ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Wenn ich mich in der Hochschule aufhalten würde, wäre das nicht der Fall. Dank der Online-Lehre von zu Hause aus, kann ich gemeinsam mit meiner Familie frühstücken, mittagessen und vieles mehr. Diese Zeit sollte von jedem geschätzt und genutzt werden, so lange es noch möglich ist und nicht durch den risikoreichen Besuch der Schulen oder Universitäten gefährdet werden. All die Aspekte treffen auf jeden Schüler, Azubi und Studenten zu und sollten ihn zum Nachdenken animieren.

Viele Lernende, wohnen von ihrem jeweiligen Schulgebäude teils Stunden entfernt und müssen täglich das Pendeln in Kauf nehmen. Mit der Online-Lehre fällt dieser Zeitaufwand weg und kann anderweitig sinnvoll genutzt werden, wie beispielsweise mit Lernen, Sporttreiben oder Zimmer aufräumen. Besonders für Schüler, die etwas länger für die Rechenaufgaben oder für andere Schulfächer benötigen, ist der Unterricht von zu Hause aus, eine Erleichterung. Sie haben für diese Aufgaben mehr Zeit und stehen weniger unter Druck. Die Abiturienten sind mit dem Unterrichtsstoff bereits durch und sollen trotz allem wieder die Schule besuchen. Dort werden sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit infizieren und können als Schlussfolgerung nicht an den Abiturprüfungen teilnehmen – sie können also gleich zu Hause bleiben.

Steigende Infektionsraten und Corona-Leichen

Abgesehen davon, dass es nicht zwingend notwendig ist, versammelt in einem Gebäude zu sein, um lernen zu können, ist es gewisser Maßen egoistisch sich so zu verhalten. Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, steigt die Infektionsrate aktuell langsamer an, was ein gutes Zeichen ist, aber noch lange nicht bedeutet, dass die Epidemie überwunden ist. Mit der Öffnung der Schulen, steigt die Wahrscheinlichkeit sich selbst und andere zu infizieren. Das Modell der Technischen Universität Berlin zeigt, dass die Patientenzahlen nach dem zehnten Tag der Schuleröffnung in die Höhe schnellen werden. Das hat zur Folge, dass die Krankenhäuser wieder mehr Corona-Patienten aufnehmen müssen und keine Betten mehr für andere bedürftige Patienten frei sind.

Wenn sich eine Person gegen die Maßnahmen sträubt, ist es hin zu nehmen aber wenn sich eine ganze Nation leichtsinnig verhält, ist dies fatal. Zumal wir Menschen nicht gegen das Virus gewinnen können, da uns kein Impfstoff oder andere Heilungsmittel gegen Covid-19 zu Verfügung stehen. Ein Appell sollte an dieser Stelle wohl kaum noch von Nöten sein. Denn jeder mit ein bisschen Verstand weiß, welches Risiko wir eingehen, wenn die Schulen wieder öffnen. Wer diesen Gedanken nicht verwirft, sollte sich ein Beispiel an der aktuellen Lage von Spanien oder den USA nehmen. Deutschland sollte aus den Fehlern der anderen lernen und sie nicht wiederholen.

Die Schulen müssen wieder öffnen!
Von Anastasia Baranova

Seit März sind die Schulen in Deutschland nun geschlossen. Momentan arbeiten Bund und Länder an einem Konzept, damit der Schulbetrieb wieder schrittweise aufgenommen werden kann. Denn eins steht fest: Die Schulen müssen so schnell wie möglich wieder öffnen!

Ab dem 20. April sollen die Schulen schrittweise wieder öffnen. Zuerst sollen für Abschlussklassen und Schüler, die in diesem und kommenden Jahr vor Prüfungen stehen, der Schulalltag so gut es geht wieder ermöglicht werden. Danach folgen die obersten Grundschulklassen.

Deutschland zählt zu den Ländern mit einem der besten Bildungssysteme – indem jedes Kind, unabhängig vom Einkommen der Eltern, eine Chance auf gute Bildung bekommt. Doch genau die Kinder, die aus sozial schwächeren Familien kommen, trifft die Corona Krise besonders stark. Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD), liegen Kinder aus einkommensschwachen Familien immer noch fast dreieinhalb Jahre hinter Schülern aus sozial starken Elternhäusern zurück. Dieses Ergebnis zeigt, dass Kinder aus sozial schwächeren Familien nicht so gut, oder meistens fast gar nicht, außerhalb der Schule gefördert werden.  Durch die Corona Krise können diese Kinder noch weiter abgehängt werden, da der Unterricht ausschließlich von Zuhause aus stattfindet, wo dieser im besten Fall von den Eltern betreut werden soll. Die Schulen müssen wieder öffnen, damit vor allem solche Kinder wieder die Chance bekommen individuell durch die Lehrkräfte gefördert zu werden. Und das so schnell wie möglich.

Endlich wieder lernen

Viele Schüler lernen von Zuhause aus grundsätzlich schlechter und das unabhängig aus welcher sozialen Schicht sie kommen. Zwar ist die Corona Krise eine Chance für mehr digitales Lernen, doch in vielen Haushalten sind die digitalen Möglichkeiten begrenzt. Vor allem jüngere Kinder sind mit digitalen Mitteln nicht so vertraut. Des Weiteren verlieren Kinder und Jugendliche ihre Tagesstruktur und drohen Gefahr in einen massiven Medienkonsum zu rutschen. Viele sehen die aktuelle Situation auch fälschlicherweise als eine Art Ferien, wodurch die Schüler des Lernens entwöhnt werden können.

Die aktuelle Situation ist eine Herausforderung für viele Menschen – Lehrer, Schüler und Eltern. Jeder ist auf seine Art und Weise betroffen und vor allem für Eltern ist die aktuelle Situation eine sehr große Herausforderung. Berufstätige Eltern müssen ihre beruflichen Leistungen immens einschränken, weil sie die Kinder auf schulischer Ebene nun viel stärker betreuen und wohl oder übel als Ersatzlehrer fungieren müssen.

Schule fehlt – Das ist ein Fakt!

Die Corona Krise zeigt, wie enorm wichtig die Schule als Einrichtung ist. Meiner Meinung nach kann die Schule durch nichts ersetzt werden. In normalen Zeiten wird über Schule sehr viel geschimpft, vor allem seitens der Kinder. Jetzt wünschen sich viele einfach nur den normalen und geregelten Alltag zurück. Die Betreuung durch die Lehrer, der Unterricht im Klassenzimmer, AGs, Förderunterricht, Nachmittagsbetreuung für Kinder berufstätiger Eltern und auch der Kontakt zu anderen Kindern fallen weg und dies ist nicht zu ersetzen. Laut des Deutschen Kinderschutzbundes ist vor allem der fehlende Kontakt zu anderen Kindern eine große Umstellung und eine Belastung für die Psyche.

Über einen Monat hatten die Schüler nun keinen Unterricht in der Schule und es zeigt sich immer deutlicher, dass die digitale Lehre nicht die gleichen Möglichkeiten bietet, wie der Unterricht vor Ort. Da die Lehrer unter anderem die Gesichter der Schüler nicht sehen können, werden Schwierigkeiten, wie zum Beispiel Verständnisprobleme, nicht sofort sichtbar. Außerdem kann der Lehrer die Schüler nicht kontrollieren, ob sie aufpassen und dem Unterricht folgen. Wenn dieser Zustand weiter andauert, könnte es dazu kommen, dass die Schüler den fehlenden Unterrichtsstoff nur schwer nachholen können. Es bleibt zu hoffen, dass die Schulen bald wieder öffnen, damit jedes Kind in seine gewohnte Routine und zu seinen Freunden zurückkehren kann.

Veröffentlicht am 18.04.2020

Tamara Berg

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