Trampen

Daumen hoch – per Anhalter durch die ganze Welt

Anton beim Trampen. Foto: privat
Anton beim Trampen. Foto: privat
Anton beim Trampen. Foto: privat
Anton beim Trampen. Foto: privat

Trampen, oder auch Hitchhiking genannt, ist in der Regel eine kostenlose Mitreise in einem fremden Fahrzeug. Für die meisten Leute, die das machen, ist es aber noch viel mehr. Anton trampt seit knapp drei Jahren durch die ganze Welt und hat in dieser Zeit schon viel an seiner Einstellung und seiner Weltanschauung geändert. Warum – das hat er uns im Maerkzettel-Interview verraten.

Maerkzettel: Wie bist du zum Trampen gekommen?

Anton: Mit 16 Jahren habe ich angefangen, mich für Reisen zu interessieren und habe mich ausführlich darüber im Internet informiert. Dabei bin ich auch auf alternative Reisen und auf´s Trampen gestoßen. Taiwan hat mich dabei am meisten angesprochen. Deshalb war ich das ganze Jahr über arbeiten und bin in den Herbstferien dorthin geflogen. Da war ich dann tatsächlich das erste Mal trampen und bin deshalb auch abgehärtet, was das angeht.

Maerkzettel: Warum und wie oft machst du das?

Anton: Ich trampe mindestens alle zwei Wochen und versuche, auch kurze Strecken per Anhalter zu fahren. Ich mache das, weil Trampen in meinen Augen den Horizont erweitert. Man lernt so unglaublich viele unterschiedliche Menschen kennen – von Multimillionären über Künstler bis hin zu Flüchtlingen – alle möglichen Menschen nehmen einen mit. Das Auto ist so eine enge und private Zone, und daher lernt man die Menschen auf eine besondere Weise kennen. Außerdem ist man super schnell an den verschiedensten Orten, und es ist kostengünstig. Ich würde sagen, je öfter man per Anhalter fährt, umso schneller findet man auch Mitfahrgelegenheiten.

Maerkzettel: Du hast gesagt, du trampst auch kurze Strecken. Aber was war denn deine weiteste Strecke, die du bis jetzt per Anhalter gefahren bist?

Anton: Ich bin schon ziemlich viel per Anhalter gefahren – zum Beispiel nach Toulouse, Wien, Krakau oder Stockholm. Das Weiteste, was ich an einem Tag geschafft habe, war von Warschau. Bis nach Genf bin ich auch an einem Tag gefahren und im Iran habe ich auch eine siebenstündige Strecke zurückgelegt.

Maerkzettel: Dann hast du ja schon ziemlich erlebt, was das Trampen angeht. Wie sind denn deine Erfahrungen, und was war dein prägendstes Erlebnis?

Anton: Meine prägendsten Erfahrungen habe ich im Iran und in Palästina gemacht. Im Iran war ich kurz nach dem Putschversuch in der Türkei und wurde von einem türkischen Lkw-Fahrer mitgenommen. Der war super nett und hat mir bei einem Stopp Essen gemacht. Wir konnten uns nicht wirklich unterhalten, weil er kaum Englisch konnte und ich nur ein paar Wörter Türkisch, aber ich habe verstanden, dass er zu mir gesagt hat: „Sag deiner Mutter, nicht alle Türken sind schlechte Menschen.“ Das war ein Moment, in dem ich gelernt habe, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten und den Menschen offen gegenüber zu treten.

Die andere Situation, in der ich das gelernt habe, war in Palästina. Da wurde ich von vier Männern in einem Viersitzer mitgenommen. Die Männer waren Palästinenser. Und in Israel ist es für palästinensische Autos zu bestimmten Zeiten verboten, auf israelischen Straßen zu fahren. Deshalb mussten wir einen Umweg über verschiedene Dörfer fahren. Man lernt also nicht nur die unterschiedlichsten Menschen kennen, sondern auch viel über Kultur und Lebensweisen.

Alles in allem würde ich sagen, dass ich zu 99 Prozent durchweg positive Erfahrungen beim Trampen gemacht habe. Aber es gehört nun Mal zum Leben dazu, dass man ab und zu auch mal auf die Nase fällt.

Maerkzettel: Also hast du auch schon negative Erfahrungen gemacht?

Anton: Als erstes muss ich sagen, dass ich noch nie angegriffen wurde oder absichtlich bösartig angegangen wurde. Meine erste negative Erfahrung habe ich in Deutschland gemacht, als mich ein Mann mitgenommen hat, der nur schlecht über den Islam und andere Glaubensgruppen gesprochen hat. Deshalb habe ich nach kurze Zeit zu ihm gesagt, dass er mich bitte an der nächsten Raststätte rauslassen soll.

Und die andere Situation habe ich im Iran erlebt. Da wurde ich von der Glaubenspolizei mitgenommen und die haben bemerkt, dass ich bei einer Frau in ihrem Kunststudio übernachte, was in dem Land verboten ist. Da die beiden Männer mit meiner Gastgeberin Kontakt aufgenommen haben, um zu besprechen, wo sie mich absetzen sollen, haben sie ihre Telefonnummer gehabt. Nachdem ich bei ihr übernachtet habe, haben die Männer die Frau mehrmals angerufen und sie bedrängt, weil sie in ihren Augen eine Straftat begangen hat. Aber das sind nur zwei schlechte Erfahrungen, die ich in insgesamt 17.000 getrampten Kilometern gemacht habe. 

Von Rebecca Schlummer
Veröffentlicht am 28.05.2017