Reportage

Der Weg des Biomülls

Der Start meiner Reise: Die braune Biomülltonne Dortmunds (Foto: Christopher Langer)
Die EDG leert die braune Tonne. (Foto: Christopher Langer)
Eines der Müllautos der EDG. (Foto: Privat)
Nächster Halt ist der Recyclinghof in Dortmund Aplerbeck. (Foto: Christopher Langer)
Der Recyclinghof von innen. (Foto: Christopher Langer)
Der Recyclinghof von außen. (Foto: Christopher Langer)
Immer wieder stellen Leute ihren Müll neben die Container. (Foto: Privat)
Frontansicht des Recyclinghofes. (Foto: Christopher Langer)
Das Gelände von Bebra Biogas in Dortmund Hafen. (Foto: Christopher Langer)
Die Hauptverwaltung der EDG in Dortmund. (Foto: Christopher Langer)

DORTMUND. Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, wohin der Müll wandert, nachdem er von der Müllabfuhr abgeholt wurde? Heute beschäftigt sich MAERKZETTEL damit, wie der Weg des Biomülls aussieht, wie er wiederverwertet wird und warum andere Städte immer noch keine Bio-Mülltonne eingeführt haben.

Mich als Dortmunder hat es wirklich verblüfft, als ich erfahren habe, dass es in anderen Städten gar keine Biomülltonne gibt. Wer nicht unbedingt Lust dazu hat, ständig zu einem der abgelegenen Bring-Höfe zu fahren, entsorgt hier seine Bio-Abfälle immer noch im Restmüll, wo sie mit ihm zusammen verbrannt werden. Dabei lassen sich diese doch noch wunderbar zur Energiegewinnung oder Kompostierung nutzen. Doch wie genau wird aus dem Müll in meiner Tonne denn wieder etwas Verwertbares? Ich forsche selbst einmal nach.

Der Transport

Die Abholung der Tonnen erfolgt durch die Entsorgung Dortmund GmbH (EDG). Neben der Müllabfuhr sind sie auch noch für den Winterdienst und die Straßenreinigung in Dortmund zuständig. Mit ihren gelben Fahrzeugen holen sie die Biomülltonnen alle 14 Tage ab. Wenn sämtlicher Müll eingesammelt ist, wird er zu einem der sechs Recyclinghöfe gebracht. In meinem Fall ist dies der Recyclinghof Aplerbeck, zu dem ich mich auch begebe.

Zwischenstopp: Der Recyclinghof

Dort angekommen, schaue ich mich ein wenig um. Beim Eintritt blickt man direkt auf die großen gelben Container, in denen der Müll sortiert und getrennt ist. In der Mitte stehen Arbeiter, die damit beschäftigt sind, das Geschehen auf dem Hof zu koordinieren. Immer wieder kommen Autofahrer, um ihren Müll hier zu entsorgen. Meist sind es Firmenfahrzeuge oder Laster, die alte Möbel entladen. Grundsätzlich sieht man, dass hier ein gewisses Konzept der Ordnung erdacht wurde, es an der Umsetzung aber noch mangelt. „Viele Leute, die hierhin kommen, schmeißen ihren Müll einfach neben die Container. Wir haben nicht immer die Zeit dazu, ständig auf sowas zu achten.“, erklärt mir ein Mitarbeiter. Die EDG stellte aus diesem Grund sogar einmal sogenannte Müll-Detektive ein, die darauf achteten, dass Dinge auch ordnungsgemäß zerkleinert und entsorgt wurden.

Der Hausmüll dagegen steht geordnet und abholbereit. Von hier aus wird er dann getrennt abgeholt und zu den jeweiligen Weiterverwertungs- oder Verbrennungsanlagen gebracht. Dort sehe ich auch den Biomüll. Ich erfahre, dass dieser als Nächstes zu einer Biogasanlage gefahren wird, um dort verwertbar gemacht zu werden.

Die finale Etappe Biogasanlage

Ich fahre also zur nächstgelegenen Biogasanlage. Doch wie wird der Müll hier jetzt zum Strom umgewandelt? Ein Mitarbeiter erklärt es mir folgendermaßen: „In unserer Anlage wird der durch die Haushalte getrennt erfasste Biomüll Dortmunds zu Biogas vergoren. Das von Wasser und Schwefel gereinigte Biogas, wird anschließend in zwei Blockheizkraftwerken verstromt und der Strom in das Stromnetz der Stadtwerke Dortmund eingespeist. Die durch die Blockheizkraftwerke entstehende Wärme wird für den Wärmebedarf der Betriebsanlagen verwendet.“ Neben dem Strom wird aus dem Biomüll auch Dünger gewonnen. Die entstandenen Gärrückstände eignen sich insbesondere für die landwirtschaftliche Düngung, da in diesen Rückständen wichtige Pflanzennährstoffe, wie zum Beispiel Phosphat enthalten sind.

Wieso klappt das in vielen Städten nicht?

Nach meiner Reise interessierte mich nur noch eine Frage wirklich: Wieso stellen einige Städte ihren Einwohnern keine Bio-Mülltonnen zur Verfügung, wenn aus den Abfällen wertvolle Ressourcen gewonnen werden können? Bundesweit sind es 15% der Städte und Gemeinden, die überhaupt keine braune Tonne anbieten.

Das liegt unter anderem daran, dass viele mit Abfallentsorgungsgesellschaften Verträge haben, die sie dazu verpflichten, eine Mindestmenge an Müll im Müllheizkraftwerk verbrennen zu lassen. Wird diese Menge nicht erreicht, müssen die Gemeinden Strafen zahlen. Da kommt es dann natürlich gelegen, wenn wertvoller Biomüll im Restmüll landet und verbrannt wird, anstatt wiederverwertet zu werden.

Dies ist beispielsweise auch in Hagen und im Märkischen Kreis der Fall. Bei letzterem laufen die aktuellen Verträge noch bis zum Jahr 2022. Ich will im Sinne der Umwelt hoffen, dass sich der Märkische Kreis und der Rest der 15% sich in dieser Hinsicht ein Beispiel an Dortmund nehmen.

Von Christopher Langer
Veröffentlicht am 18.06.2018