Erste Hilfe ist selbstverständlich, oder?

In Notfallsituationen zählt jede Sekunde. Foto: Pixabay

Jemand liegt bewusstlos auf dem Boden. Was ist die erste Reaktion? Auch wenn der erste Gedanke helfen sein mag, ist das immer noch nicht die Regel. Tausende von Menschen sterben jährlich, weil sie zu spät Erste Hilfe bekommen haben. Auch wenn unser Verstand weiß, dass Helfen selbstverständlich ist, scheinen viele, in solchen Situationen wie gelähmt zu sein. Dabei kann man mit einfachen Handgriffen schon viel bewirken.

Auch Rettungssanitäter sind nur Menschen. Bei allem, was sie sehen, ist es kein Wunder, wenn sie sich ihrem Ärger mal Luft machen. Ein Sanitäter hat auf Twitter mit einem Post auf das Thema aufmerksam gemacht. Er schreibt, dass ein Mann in Frankfurt in einer vollen Straßenbahn umgekippte und bewusstlos war. Umzingelt von vielen Menschen, half ihm keiner der Anwesenden – Er starb. Vielleicht hätte der Tod nicht verhindert werden können, aber der Mann hätte definitiv bessere Chancen gehabt.

Wenn die Angst größer ist, als der Drang zu helfen

Die Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) sind eindeutig: Mehr als 50.000 Menschen sterben jährlich an einem Herzstillstand, weil sie nicht schnell genug im Krankenhaus waren, um Hilfe zu bekommen. Von diesen Menschen bekam nur jeder Dritte, Erste Hilfe von Menschen die keine Profis sind und nur zufällig in der Nähe waren.

Doch warum traut sich keiner, wenigstens ein bisschen zu machen? Psychologin Stefanie Klein hat eine klare Meinung zu dem Thema: „Die meisten fühlen sich nicht verantwortlich für andere Menschen oder wollen die Verantwortung einfach nicht übernehmen. Hinzu kommt natürlich auch die Angst, etwas falsch zu machen oder den Zustand des Patienten zu verschlimmern. Wir möchten vor unangenehmen und unbekannten Situationen flüchten“.

Der letzte Erste-Hilfe-Kurs ist bei vielen wahrscheinlich etwas länger her. Vielleicht war die Intention auch eher, den Führerschein zu kriegen und weniger Wissen aufzubauen. Demensprechend ist es logisch, dass viele Angst haben etwas falsch zu machen. Trotzdem hat jeder die Möglichkeit, sich mit wenig Aufwand zu informieren. Erste-Hilfe-Kurse oder das Internet, liefern viele nützliche Informationen.

Bei dem Studenten Lukas Hochmuth, ist der letzte Erste-Hilfe-Kurs auch schon etwas länger her: „Den letzten Erste-Hilfe-Kurs habe ich für meinen Führerschein gemacht. Es waren super viele Informationen in kurzer Zeit. Sowas müsste man wahrscheinlich regelmäßig machen, damit man darin sicher wird. Keine Ahnung, ob ich noch genau wüsste, was zu tun ist“.

Lieber ein wenig als überhaupt nicht

Selbst wenn man wenig oder kaum etwas tut, wird man der Person in der Regel mehr helfen, als wenn man nur zusieht. Rettungssanitäter Markus Schreiner arbeitet seit einigen Jahren ehrenamtlich und appelliert an alle: „Jeder sollte in solchen Situationen seine Angst überwinden, schließlich steht ein Menschenleben auf dem Spiel“. Natürlich ist dies leicht gesagt, aber laut Schreiner, kann man relativ einfach viel bewirken: „Wenn jemand zusammenbricht, sollten Sie die Person ansprechen und etwas schütteln, um zu sehen, ob noch Reaktion vorhanden ist. Wenn nicht, zuerst den Notruf wählen, denn je schneller Sie anrufen, desto schneller können wir kommen. Anschließend sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen anfangen“.

Das Deutsche Rote Kreuz liefert auf ihrer Webseite viele Informationen zum Thema Erste Hilfe und Wiederbelebnung. Für die Wiederbelebung drückt man mit beiden Händen auf den Brustkorb. Faustregel ist hierbei 30 Mal Druckmassage und zwei Mal Atemspende. Für den richtigen Rhythmus gibt es einige Lieder, die dabei helfen. Dazu gehört, ironischerweise, auch das Lied „Stayin‘ Alive“ der Band Bee Jees. Dies erfolgt solange, bis der Notarzt eintrifft. Das kann erst einmal angsteinflößend sein, aber eben auch ein Leben retten. Situationen wie ein Tod in einer vollen Straßenbahn, sollten eigentlich unmöglich sein. Markus Schreiner ist der Meinung: „Wenn Sie bewusstlos am Boden liegen, würden sie auch Hilfe von anderen erwarten“. 

Von Marie Junga
Veröffentlicht am 11.04.2018