Reisereportage

Israel – Ein Land voller Gegensätze

Israel ist ein außergewöhnliches Reiseziel, aber es ist die Reise wert. (Foto: Lara Grewe)
Als wir auf die Karte schauten, wurde uns klar, wie nah wir an Syrien waren. (Foto: Lara Grewe)
Auf dem Pier in Tel Aviv trifft man viele Israelis, die dort ihre Zeit verbringen. (Foto: Lara Grewe)
Auf den Märkten gibt es alles, was das Herz begehrt. (Foto: Lara Grewe)
Wir überquerten die Grenze nach Jordanien, um uns den Jordan anzusehen. Wir merkten nichts von der Überquerung der Grenze. (Foto: Lara Grewe)
Eine der schönen Ecken von Tel Aviv, der Hafen. (Foto: Lara Grewe)
Die Klagemauer in Jerusalem. Viele Menschen kommen dorthin, um zu beten. Da Samstag war, durften wir keine näheren Fotos machen. (Foto: Lara Grewe)
Der Nationalpark "En Gedi" ist einen Besuch wert. (Foto: Lara Grewe)
Die Märkte in Jerusalem sind eng und voll. (Foto: Lara Grewe)
Zur Zeit des Sonnenuntergangs kommen alle Israelis aus ihren Wohnungen und Häusern. (Foto: Lara Grewe)
Der Platz, vor der Klagemauer in Jerusalem, ist zu Gebetszeiten voll mit Menschen. (Foto: Lara Grewe)
Das Tote Meer gehört zu den Highlights in Israel. (Foto: Lara Grewe)
Tel Aviv von oben. (Foto: Lara Grewe)
Ein vier Stunden langer Stau entstand, als sich die orthodoxen Juden aus Protest auf die Straße stellten. (Foto: Lara Grewe)

„Ich glaube, wir müssen rückwärts zurückgehen, wie die anderen auch“, sagt Jana Lanfermann, meine Freundin und Reisebegleitung, zu mir, nachdem uns eine junge Mutter aufgeregt mit rotierendem Finger dazu animierte, ihr gleichzutun. Also fangen auch wir an, uns rückwärts von der Steinwand zu entfernen. Wir sind in Israel, in Jerusalem, inmitten der ein Quadratkilometer großen Altstadt und stehen vor der Klagemauer. Sich mit dem Rücken zur Mauer zu entfernen, sei respektlos erfahren wir später. Es ist Samstag, Schabbat, der heilige Tag für die Juden, der Ruhetag.

Der Staat Israel erlangte am 14. Mai 1948 die Unabhängigkeit. Es ist ein Land, indem alle Kulturen zusammenleben und besonders viele verschiedene Religionen.
Es ist auch ein Land, das im Konflikt steht, mit anderen Staaten und mit sich selber.

Touristen sind auch hier natürlich keine Seltenheit und „das wurde in der Bibel erwähnt“ ist die Garantie für ein Blitzgewitter, verursacht durch die Kameras und Handys der Touristen. Trotzdem ist auf den Straßen erstaunlich wenig in Englischer Sprache zu finden, was besonders das Lesen der Buspläne erschwert. Am häufigsten ist hebräische Schrift zu sehen, die nicht ohne Weiteres zu verstehen ist.
Israel hat atemberaubende Natur und Facetten, die es zu entdecken lohnt.
Wir, zwei Studentinnen, haben uns vier Tage das Land der schönsten Sonnenuntergänge angesehen und auch wenn es vielleicht ein etwas ungewöhnliches Reiseziel ist, es ist die Reise wert. 

Tel Aviv vs. Jerusalem

Ja, es ist fast ein kleiner Kampf um den Titel „Hauptstadt“.
Tel Aviv ist die wirtschaftliche und finanzielle Hauptstadt Israels, dort wird viel Tourismus betrieben, wie eigentlich überall. Viele Hotels, Geschäfte und Märkte.

Für viele Israelis ist aber Jerusalem die Hauptstadt, nämlich die, der Kultur und Religion.

Tel Aviv wurde nach Aussagen eines Israelis in nur acht Jahren aufgebaut. Diesen Eindruck macht die Stadt auch auf uns. Die Straßen sind löchrig, manche Gebäude zerfallen fast schon. In den äußeren Bezirken wird es immer dreckiger auf der Straße.

Als der kleine Reisebus die Grenze nach Bethlehem, was zu Palästina gehört, überquert sieht man rechts an dem Check-Point ein Schild mit der Aufschrift, dass Israelis nicht einreisen dürfen. Sie dürfen nicht die Grenze überqueren. „Ich habe eine spezielle Erlaubnis, die Kirche zeigt euch aber ein palästinischer Guide aus Bethlehem“, sagt der Tour-Guide.

„Krieg“ ist ein ganz normales Wort

Unser Eingang zur Klagemauer mündet auf einen großen Platz, mit mehr oder weniger seriösem Security-Check, wenn man bedenkt, dass der Körperscanner nicht an den Strom angeschlossen war. Als wir wieder in Richtung Altstadt gehen, macht uns der Tour-Guide darauf aufmerksam, dass es noch einen anderen Eingang zur Mauer gibt. In seinem, manchmal schlecht zu verstehenden, Englisch sagt er etwas über Krieg und Grenze, winkt ab und sagt: „Deswegen wollen wir da nicht hin.“ Er geht lachend weiter und wir schauen alle etwas ungläubig in den dunklen, engen Gang der zu dem Eingang führt, den nur Muslime benutzen dürfen. „Man muss den Anfang des Koran zitieren, um reinzukommen“, klärt uns der Tour-Guide auf.

Israel grenzt an Syrien, was nun schon seit einigen Jahren immer wieder in den Medien auftaucht. Dort herrscht Krieg, Menschen hungern, bangen um ihr Leben. Trotzdem ist „Krieg“ ein Begriff, der für uns immer etwas mit Entfernung zu tun hat. Auch wenn wir uns betroffen fühlen, hautnah ist nichts, außer vielleicht die Gänsehaut bei den Nachrichtenbildern aus dem Kriegsgebiet.
Wie nah Syrien tatsächlich für uns war, merkten wir, als wir im Bus saßen und ich plötzlich eine SMS bekam: „Lieber Kunde, willkommen in Jordanien! Mit Ihrem Reisepaket surfen sie ...“. Wir hatten grade eine Grenze überquert und es nicht mal gemerkt. Als wir auf dem Handy auf die Karte schauten, wurde uns bewusst wie wenig Luftlinie zwischen uns und Syrien lag und, dass wir in nur wenigen Stunden die Grenze hätten erreichen können.

Es gibt vor allem viel  

Und vor allem Gegensätze. Es stehen Häuser aneinandergereiht – das Eine heruntergekommen, das Nächste ist ein teures Hotel.

Israel hat nicht nur Viel, es kostet auch viel. Die landeseigene Währung, der israelische Schekel, ist ungefähr bei dem Kurs 4,25 zum Euro, also sind ein Euro vier Schekel.

Wir haben für wenig Geld, allerdings auch mit wenig Komfort, durch einen privaten Anbieter eine Unterkunft gemietet. Ansonsten gibt es Hostels mit Mehrbettschlafzimmern ab 25 Euro, was viel Geld ist für ein 12-Mann „Dorm“ (Schlafsaal).

Israel ist ein jüdischer Staat, jedoch leben viele Religionen zusammen. Weit über die Hälfte der Bevölkerung ist jüdisch, danach folgen die Muslime mit einem wachsenden Anteil, danach folgen die Christen mit einem relativ geringen Anteil der Bevölkerung.
Besonders oft sieht man in Jerusalem die streng orthodoxen Juden, die mit ihren schwarzen Anzügen und Gewändern, durch die Stadt laufen.

„Die spirituelle Armee Israels“

In Jerusalem leben viele streng orthodoxen Juden. Sie bezeichnen sich selber als „spirituelle Armee Israels“. Diese Gruppe von Menschen widmet ihr Leben ihrer Religion. Als Kinder gehen sie in spezielle Schulen, erfahren dort ihre Grundausbildung. Nach der Schule leisten sie nicht ihren Dienst in der Armee, sondern der Fokus liegt darauf, der Religion gerecht zu werden und dafür zu beten. Sie arbeiten nicht und bekommen deswegen Geld vom Staat Israel.
Doch der Staat möchte das ändern. Israel fordert, dass die streng orthodoxen Juden arbeiten und ihren Teil zur Gesellschaft beisteuern. „Die spirituelle Armee“ sieht darin eine Forderung, der sie nicht gerecht werden können und wollen. Das merkten wir hautnah, als wir für die Strecke zwischen Jerusalem und Tel Aviv anstatt eine halbe Stunde, vier Stunden brauchten, denn eine Gruppe der orthodoxen Juden hatte sich auf die Straße gestellt, um den Verkehr aufzuhalten. Unser Fahrer erzählte: „Sie möchten nicht ihrer Religion beraubt werden. Viele von diesen Menschen denken nur an sich und an ihre Religion. Was das für die anderen Religionen bedeutet, dass diese sich einschränken müssen, wird nicht beachtet.“ Doch trotzdem sehen die Israelis die orthodoxen Juden als einen wichtigen und Teil ihrer Gesellschaft, erklärt er: „Ich kenne viele orthodoxe Juden und habe Freunde, die welche sind. Wir sind auch stolz drauf, dass wir ein Staat sind, in dem viele Religionen zusammenleben, doch das erfordert Arbeit, von allen Seiten.“

„Sicher, bin ich sicher“

Ob am Flughafen, in Tel Aviv oder auch in der Natur, wir haben uns nie unsicher gefühlt. Auf den vollen Märkten in Jerusalem und Tel Aviv trägt man den Rucksack vor sich, anstatt auf dem Rücken, aber die Israelis sind allgemein ein sehr nettes und friedfertiges Volk. Alles ist auf Tourismus ausgelegt. Doch es gibt auch Ecken, in denen man das Gefühl hat, dass hier das echte Israel anzutreffen ist. Zum Beispiel an bestimmten Strandabschnitten, oder in den besten Bars in der Stadt. Israel ist reich an Kultur und atemberaubender Natur. Auf der Oberfläche des Toten Meeres zu schweben, ist etwas Besonderes und wer die Aufforderungen, alle möglichen Souvenirs zu kaufen, ignoriert, kann es richtig genießen. Auch die bedeutenden religiösen Orte, wie die Geburtskirche Jesu in Bethlehem, oder die Kirche in der er laut Bibel begraben liegt, in Jerusalem, sind beeindruckend. Die vielen Gegensätze des Landes machen es zu einem interessanten, wenn auch teuren Reiseziel. Schon in wenigen Tagen erhalten Besucher einen Eindruck des Kultur- und Religionsreichtums und ein Besuch dort, hinterlässt, garantiert einen bleibenden Eindruck.

Von Lara Grewe
Veröffentlicht am 05.12.2017