Vermeintliche Wahlmanipulation via Facebook

Ist die Europawahl davor sicher?

© Omar Marques/Getty Images

Mehr Transparenz und weniger politische Werbung – das verspricht Facebook, um die Integrität der kommenden Europawahl zu schützen und den Missbrauch des Netzwerkes als politische Werbeplattform zu verhindern. Dies soll mit Hilfe von „neuen Werkzeugen“ in die Tat umgesetzt werden, so der Facebook-Manager Richard Allen. Dabei gilt es vor allem die aus dem Ausland finanzierte Werbung zu erkennen und zu unterbinden.

Vermeintliche Wahlmanipulation via Facebook während der US-Wahl 2016

Um genau solche Werbung ging es auch während der US-Präsidentschaftswahl 2016.Via Facebook sollen russische Propagandakampagnen zu Gunsten des republikanischen Kandidaten Donald Trump verbreitet worden sein. Russland wurde vorgeworfen die Wahl auf diese Weise manipuliert zu haben. Inzwischen sind diese Vorwürfe widerlegt.Trotzdem musste sich Facebook zu diesem Vorfall vor dem US-Kongress verantworten. Es sei zu wenig gegen die aus dem Ausland finanzierten Werbeanzeigen und die damit verbundene Einflussnahme des Auslandes auf die US-Wahl unternommen worden.Facebook-Vorstandsmitglied Sheryl Sandberg stimmte zu, langsam reagiert zu haben, jedoch räumte sie ein, dass mit dieser Problematik inzwischen besser umgegangen werde:„Wir haben hunderte Seiten und Nutzerkonten gelöscht, die unglaubwürdig wirkten.“

Die „neuen Werkzeuge“ zur Veröffentlichung politischer Werbung auf Facebook

Grundsätzlich gilt: Wer Werbung mit politischen Inhalten auf der Online-Plattform veröffentlichen möchte, muss seine Identität und seinen Standort authentifizieren, sonst wird die Werbung blockiert. Zur Bestätigung der Identität sind folgende Schritte notwendig:

(1)   Die zweistufige Authentifizierung 

Hier kann man sich entweder SMS-Codes auf sein Mobiltelefon zusenden lassen oder Anmeldecodes einer Authentifizierungs-App verwenden.


(2)   Identitätsnachweis

Hierzu zählen laut Facebook ein behördlich ausgestellter Identitätsnachweis, zwei offizielle Dokumente oder ein von Facebook zur Verfügung gestelltes Formular, das beglaubigt werden muss.

Neben der Bestätigung der Identität, muss auch klargestellt werden, durch wen die Anzeige finanziert wird. Dazu muss man die Seite, auf der die Werbung veröffentlicht wird, mit seinem Werbekonto verknüpfen. Dieses Konto wird automatisch erstellt, sobald man eine Werbeanzeige schaltet und soll zu deren Finanzierung eingesetzt werden.Zudem muss man der Administrator der Seite sein, um dort Werbung zu schalten.

Eine weitere Richtlinie auf Facebook besagt, dass Werbung mit politischen Inhalten bis zu sieben Jahre in einer „Werbebibliothek“ gespeichert wird und für die Öffentlichkeit einsehbar ist. So sollen Wissenschaftler, Journalisten und auch interessierte Bürger überprüfen können, wer in welcher Form und für was Werbung auf der Plattform geschaltet hat.

Durch diese neuen Richtlinien will Facebook nun die kommende Europawahl vor ausländischen Einflüssen, Manipulation und politischen Werbeanzeigen unseriöser Anbieter schützen. 

Facebook-Manager Richard Allen betont jedoch, dass Missbrauch nicht vollständig verhindert werden kann: „Wir haben es mit intelligenten, kreativen und gut finanzierten Gegnern zu tun, die ihre Taktik ändern, wenn wir Missbrauch erkennen.“

Facebook hat also auf die Vorwürfe, die nach der US-Wahl 2016 aufkamen, mit strengeren Richtlinien reagiert, sodass es gegenwärtig Usern und ausländischen Organisationen schwieriger gestaltet wird, unseriöse politische Werbeanzeigen zu schalten. Ob dieses Konzept letztlich funktioniert, werden wir an den kommenden Europawahlen sehen.

Von Luisa Bialas
Veröffentlicht am 16.04.2019