K.O.-Tropfen – die Gefahr im Glas

Die unsichtbare Gefahr von K.O.-Tropfen. Foto: Pixabay

Sie sind nicht bemerkbar und genau das macht sie so gefährlich. Immer wieder landen K.O.-Tropfen in den Gläsern von ahnungslosen Frauen und viele von ihnen werden Opfer von Gewaltverbrechen. Wie schnell sie wirklich im Getränk landen können, zeigt ein Video einer jungen Frau aus Florida.

Die Frau auf dem Video heißt Kristol Santos und ist dank ihres Videos einem mutmaßlichem Gewaltverbrechen davongekommen. Auf dem 15-sekündigem Video ist sie mit einer Freundin auf einer Party zu sehen. Beide haben Spaß und feiern ausgelassen – doch der Schein trügt. Am Ende des Videos sieht man, wie ein Unbekannter der Frau eine Tablette ins Glas wirft. 

Das Video veröffentlichte sie auf Twitter, wo es hunderttausende Male geteilt worden ist. Auf Instagram schrieb sie, dass sie damit andere junge Frauen warnen wolle und dass ihre Mutter sie auch immer um Vorsicht gebeten hat. Kristol konnte ihre Sorgen jedoch nie nachvollziehen – bis jetzt!

Wie wichtig dies ist, wurde auch Lena W. nach einem Diskotheken Besuch klar. „Ich hatte mir vorher nie groß Gedanken gemacht, wenn ich mal feiern war. Irgendwie denkt man, dass einem sowas niemals treffen würde – doch nach dieser Nacht war alles anders’’, erzählt die 19-Jährige. Denn ihrer Freundin wurde plötzlich schlecht und fast schwarz vor den Augen – K.O.-Tropfen. Somit endete die Partynacht für die beiden. Lena W. ist seit dem Vorfall vorsichtig und rät jedem, sowas niemals auf die leichte Schulter zu nehmen. „Der Vorfall hat mir keine Angst gemacht, sondern eher die Augen geöffnet. Mein Tipp ist, dass man lieber zu vorsichtig als zu leichtsinnig sein sollte. ’’ 

Farblos. Flüssig. Gefährlich  

Laut der Organisation „Weißer Ring", die Kriminalitätsopfern hilft, bestehen die meisten K.O.-Tropfen aus der Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB), auch bekannt als ,,Liquid Ecstasy’’. Ursprünglich wurde dieses Mittel in der Medizin als Narkosemittel entwickelt, wird jedoch kaum noch eingesetzt. Andere Mittel sind zum Beispiel Ketamin und Benzodiazepine und sie alle haben etwas gemeinsam: Es sind rezeptpflichtige Narkose und Beruhigungsmittel, deren Besitz strafbar und verboten ist. K.O.-Tropfen sind oft flüssig und farblos, gemischt mit Essen oder Trinken nicht bemerkbar. Wie in Kristols Fall können sie aber auch in Form einer Tablette oder eines Pulvers vorkommen, diese wären für das Opfer aber ebenfalls nicht bemerkbar. Dies macht K.O.-Tropfen so gefährlich, denn wenn sie sich einmal im Getränk oder Essen befinden und man sie einnimmt, ist man ihnen ausgeliefert.  

Welche Wirkung haben K.O. Tropfen?  

,,K.O.-Tropfen machen das Opfer wortwörtlich K.O.’’ sagt Allgemeinmedizinerin Innessa Sbrijer. Nach der Einnahme wird man sehr müde und auch Übelkeit kann entstehen – dies ist aber für die meisten zunächst kein alarmierendes Signal, da man diese Anzeichen, vor allem beim Feiern, auf den Alkohol schiebt. „Man fühlt sich wie in einer Art Trance und verliert die Kontrolle über seinen Körper. Des Weiteren hängt die Wirkung von der körperlichen Verfassung der Person und der Dosierung ab. ’’ erklärt Dr. Sbrijer weiter. Gemischt mit Alkohol verstärkt sich die Wirkung und es kann im schlimmsten Fall zu einem Atem- oder Herzstillstand kommen.  

Kurz nach der Einnahme fällt die Person in einen tiefen Schlaf oder wird sogar bewusstlos. Wenn man aufwacht, erinnert man sich an gar nichts mehr und hat einen Filmriss. Dr. Sbrijer erläutert, dass man in der Medizin von einer sogenannten anterograden Amnesie spricht. Darunter versteht man eine Gedächtnisstörung, die nach der Einnahme eintritt. Das heißt, dass nach der Einnahme neue Erinnerungen nicht abgespeichert werden können. Dies erklärt ebenfalls die massive Erinnerungslücke, wenn man aufwacht.  

Augen auf im Club! 

Grundsätzlich gilt: Nie sein Getränk aus den Augen lassen und auch niemals ein Getränk von Fremden annehmen. Es gibt viele Ideen, Schnelltests und Erfindungen, die dabei helfen sollen sich vor K.O.-Tropfen zu schützen, wie zum Beispiel einen Nagellack oder Servietten, die die Mittel im Getränk erkennen sollen. Jedoch wird darüber diskutiert, wie hilfreich und vor allem eindeutig diese Tests sind. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Tests alle Substanzen, die als K.O.-Tropfen fungieren, erkennen können. Außerdem sind die wichtigsten Regeln, um sich zu schützen, auch am einfachsten umzusetzen. Die hilfreichste davon lautet, dass man sein Getränk niemals aus den Augen lassen und auch keins von einem Fremden annehmen sollte. Wenn man mit Freunden feiern geht, heißt es: Zusammen kommen und auch zusammen gehen. Aufeinander aufpassen und Verantwortung für sich gegenseitig übernehmen, sollten oberste Priorität sein.  

Falls dann doch mal etwas passiert und der Verdacht auf K.O.-Tropfen besteht, sollte man sich sofort in ein Krankenhaus begeben, denn K.O.-Tropfen sind nur wenige Stunden nachweisbar. 

Von Anastasia Baranova
Veröffentlicht am 19.04.2018