Lesbisch, schwul, bi, trans, inter- der Umgang mit queeren Themen in den Medien

DORTMUND. Der Deutsche Journalisten Verband lud am vergangenen Samstag in die Sparkassenakademie in Dortmund Hörde zum Journalistentag viele Journalisten und Interessenten, mit einer Vielzahl an Themenbereichen rund um Medien, ein. Zum Umgang mit queeren Themen führte Katrin Kroemer eine Diskussion mit drei betroffenen Referenten darüber, wie Medien mit der sogenannten Sternchenberichterstattung und dem dritten Geschlecht umgehen.

Katrin Kroemer, Schatzmeisterin im DJV Bundesvorstand und Vertreterin des DJV im ZDF- Fernsehrat, eröffnete die Diskussion damit, wie die Darstellung und die Kraft der Sprache stark machen kann, statt schwach. Bei ihr zu Gast waren Tilmann Warnecke, Redakteur beim Tagesspiegel in Berlin und Mitglied beim LSBTI (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Intersexuelle), Juliane Löffler, als Redakteurin bei BuzzFeedNews und Jenny Renner vom ZDF- Fernsehrat. Alle drei sind sich einig, dass die Bezeichnung „Sternchenberichterstattung“ den eigentlichen Fachjournalismus als lächerlich darstellt. Auch Kroemer stimmt dem zu und sieht genau darin das Diskussionspotential, da es mehr ist als nur ein Sternchen. Auch Zuschauer, wie Jascha Habeck vom WDR2, steigen mit in die Diskussion ein. Er bestätigt, dass Themen bezüglich Schwule oder Lesben auch in seiner Redaktion oft mit „Dafür haben wir keine Zeit.“ abgeschlagen werden und fühlt sich dort als Einzelkämpfer.

 

Film, Fernsehen und Radio werden als das größere Problem dargestellt

Die Problematik wird mehr bei den audio- visuellen Medien gesehen. Denn trotz zahlreichem Input innerhalb der Redaktionen ist oft niemand bereit, diese Ideen umzusetzen. Somit wird selten die Liebesgeschichte eines homosexuellen Paares verfilmt und queere Themen werden nicht behandelt. Jenny Reuter stellt fest, dass Netflix diesbezüglich schon weiter ist. Hier findet man zahlreiche Filme, die die Rolle der LSBTI nutzen. „Die deutschen Medien müssen aufholen.“, macht Reuter klar. Sie verdeutlicht auch, dass niemand als besonders dargestellt werden möchte, denn das sind sie nicht. Reuters Lösungsansatz ist, eine in der Rolle homosexuelle Person, die heute noch als besonders gilt, zu normalisieren.

 

Viel mehr als nur eine Cliché- Liebesgeschichte

„Die blonde heterosexuelle schöne Frau verliebt sich in den gutaussehenden Südländer, die trotz allem ihr Leben in Frage stellt und am Ende geht doch alles gut.“, weiß Reuter. Die Präsenz solcher Verfilmungen betrifft sie ganz besonders. Denn wenn es dazu kommt, dass zwei Frauen heiraten, dann nicht aus Liebe, sondern aus zweckmäßigen Gründen. Es geht also nicht nur um das nicht Einsetzen von queeren Themen, sondern auch über die falsche Verkörperung und Darstellung dieser. Genauso wie die Adoption in einer homosexuellen Ehe. Es wird nicht drüber gesprochen und somit ist die Mehrheit sich über die damit verbundenen Schwierigkeiten nicht bewusst. Als Journalist sollte man sich immer bewusst sein über wen man schreibt und welche Begrifflichkeiten dann passend sind.

 

 

Aktiv für queere Themen in den Medien

Alle drei Diskutanten sind aktiv, queere Themen in den Medien zu normalisieren. Tilmann Warnecke gründete den Blog „Queerspiegel“ und schreibt über queere Themen in Sport und Politik. Genauso fordert Jenny Renner dazu auf, queere Leute in den audiovisuellen Medien mit einzubringen, dass sich keiner mehr in seinen Redaktionen alleine fühlen muss. Jeder ist willkommen eigene Themen einzubringen und es wäre zu wünschen, dass auch Heterosexuelle über queere Themen, Ideenvorschläge miteinbringen. Denn Tilmann sagt lachend: „Ich muss auch über hetero-Themen schreiben.“. Juliane Löffler weiß, dass BuzzFeed ein Medium ist, dass ein eher jüngeres Publikum hat und somit sehr viel Interesse besteht über queere Themen zu schreiben. Doch auch dies ist noch ausbaufähig.

 

LSBTI waren noch nie so aktuell wie heute

Reuter, Löffler und Tilmann möchten Sichtbarkeit für LSBTIs in den Medien schaffen. Journalisten sollten direkt angesprochen werden, denn so baut man sich ein langfristiges Netzwerk auf, auf das man immer zurückgreifen kann. Und auch, wenn noch abweisend über LSBTIs und queere Themen gesprochen wird, ist das Thema somit immer noch „on top“ und es ist besser, als wenn gar nicht darüber gesprochen wird. Die Community, die sehr lange unsichtbar war, hat jetzt die Möglichkeit gehört zu werden. Denn LSBTI waren noch nie so aktuell wie jetzt. Es ist wichtig als Medium Geschichten von queeren Leuten zu erzählen und zu verbreiten.  

 

Von Antonia Schütter
Veröffentlicht am 18.11.2018

Antonia Schütter

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