Tag der Kinderarbeit – schuften statt spielen

Millionen von Kindern müssen arbeiten. Foto: Pixabay

Ein Kommentar. Laut der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten mehr als 150 Millionen Kinder weltweit unter grauenvollen Bedingungen. Was in Deutschland schon seit 1839 gesetzlich verboten ist, ist in Ländern wie Afrika und Asien traurige Realität. Die Kinder schuften für einen Hungerlohn oder sogar ganz ohne Bezahlung mehrere Stunden am Tag – sie schuften, um zu überleben und ihre Familien zu versorgen.

Am 12. Juni 2018 war der internationale Tag der Kinderarbeit und dieser soll jedes Jahr aufs Neue verdeutlichen, wie viele Kinder jeden Tag ausgebeutet werden. Die Kinder arbeiten oft an gefährlichen Orten, wie Steinbrüchen, auf Plantagen oder in der Textilindustrie. 

Wenn wir an unsere Kindheit denken, kommen uns schöne Erinnerungen in den Sinn. Viele von uns denken gerne an diese unbeschwerte Zeit zurück und fast jeder hat schon mal gesagt: „Einmal wieder Kind sein“. Aber was ist, wenn man nie wirklich Kind sein durfte? Denn so geht es Millionen von Kindern auf der Welt, die schuften, um zu überleben. Etwa 10 Millionen Kinder werden wie Sklaven gehalten – 10 Millionen Kinder ohne Chance aus diesem Teufelskreis herauszukommen. 

Begonnen hat die Kinderarbeit mit der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert. Vor allem in Großbritannien, die damals größte Industrienation der Welt, war die Arbeit von Minderjährigen Alltag. Auch in Deutschland war Kinderarbeit bis zum Jahre 1839 legal, bis ein Gesetz verabschiedet wurde, welches Kinderarbeit verboten hatte, da es durch diese zu körperlichen und geistigen Rückbildungen kam. In dem Gesetz hieß es, dass Kinder unter neun Jahren nicht arbeiten dürfen und die neun- bis sechszehnjährigen maximal zehn Stunden am Tag – verboten sieht anders aus. 

Im heutigen Deutschland dürfen Kinder ab 13 Jahren unter bestimmten Voraussetzungen beschäftigt werden, wenn der Sorgeberechtigte zustimmt. Dabei ist eine solche Beschäftigung auf täglich höchstens zwei Stunden beschränkt, in landwirtschaftlichen Familienbetrieben auf höchstens drei Stunden täglich. Laut dem deutschen Kinderhilfswerk (dkhw) müssen es leichte und für Kinder geeignete Tätigkeiten sein, die nicht die Gesundheit, Sicherheit und Entwicklung beeinträchtigen. Erlaubt sind Tätigkeiten, wie Zeitungen austragen oder Einkäufe erledigen – solche Tätigkeiten wirken fast lächerlich und der Begriff der Kinderarbeit im Zusammenhang mit dieser “Arbeit“ irgendwie paradox, wenn man an die Kinder denkt, die wirklich schuften bis zum geht nicht mehr. 

Sie arbeiten in der Landwirtschaft, als Straßenverkäufer oder in Bergwerken – Arbeiten, die die körperliche sowie geistige Entwicklung immens beeinträchtigen. Kinderarbeit ist alles andere als positiv und es schockiert, wenn man daran denkt, wie viele Kinder ausgebeutet werden. Doch sie haben keine andere Wahl, denn viele Familien sind so arm, dass sie nicht über die Runden kommen, wenn die Kinder nicht arbeiten würden. Wenn man diesen Aspekt betrachtet: ist es dann nicht irgendwie besser, wenn sie arbeiten anstatt zu verhungern? Es macht auch nicht viel Sinn, Produkte, die durch Kinderarbeit entstehen zu boykottieren. Damit entziehen wir diesen Menschen die Lebensgrundlage. 

Es bildet sich ein Teufelskreis, aus dem die Kinder nicht rauskommen, denn sie können nicht zur Schule gehen und damit bleibt ihnen die Chance auf ein besseres Leben für sich und die eigenen Nachkommen verwehrt. In den Ländern, in denen Kinderarbeit Normalität ist, müsste der Staat konsequenter eingreifen und mehr Geld in die Bildung fließen lassen, denn Bildung ist der einzige Weg diesen Teufelskreis zu durchbrechen. 

Jeder von uns kann aber auch selbst aktiv werden, es gibt zahlreiche Hilfsorganisationen, wo man mit einer kleinen Spende schon viel bewirken kann. Eine davon ist die H.E.L.G.O. e.V., die in Kolkata/Indien erfolgreich Kinderarbeit bekämpft. Die Organisation ermöglicht den Kindern eine Schul- und Berufsausbildung und kompensiert der Familie den “Verdienstausfall“ durch Lebensmittel und anderen Sachzuwendungen. Wir sollten nicht die Augen vor solchen Problemen verschließen und uns informieren, wie wir am besten helfen können, denn jedes Kind hat das Recht auf Bildung und eine Kindheit.

Von Anastasia Baranova
Veröffentlicht am 15.06.2018