Benefizkonzert

„Was im Bundestag sitzt, ist keine Option für mich“

The Trouble Notes überzeugten ohne Worte. Foto: Melina Seiler
Thomas Godoj gibt alles für „Resqship“. Foto: Melina Seiler
Florian Nienerza sing in seinem Lied „Zusammen im Chor“ darüber, dass wir nur gemeinsam etwas bewirken können. Foto: Melina Seiler
Mira Boom geben auf der Bühen Vollgas. Foto: Melina Seiler
Wenn The Trouble Notes spielen, steht kein Bein still. Foto: Melina Seiler
„Es ist eine harte Platte für harte Zeiten“, sagt Godoj über sein neues Album „13 Pfeile“, das am 25. Mai erscheint. Foto: Melina Seiler
Zusammen mit seiner Band rockt Thomas Godoj die Weststadthalle in Essen. Foto: Melina Seiler
Eine von fünf verschiedenen E-Gitarren, die Mira Bloom mit nach Essen auf die Bühne brachte. Foto: Melina Seiler
Der im Juni 2017 gegründeten Vereins „Resqship“ sagt, dass es dem Gedanken einer freien, offenen und toleranten Weltgemeinschaft widerspricht, wenn Menschen im Mittelmeer sterben. Foto: Melina Seiler

ESSEN. Musik verbindet. Deswegen spielten Thomas Godoj, The Trouble Notes, Mira Boom und der Sänger Florian Nienerza bei einem Benefizkonzert in der Weststadthalle. Der gute Zweck an diesem Abend ist der Verein „Resqship“, indem auch Godoj Mitglied ist. Die Mitglieder möchten noch diesen Sommer mit mit einem Schiff zivile Seenothilfe auf dem Mittelmeer leisten.

Auf dem Mittelmeer sterben jeden Tag Menschen, die aus ihren Heimatländern geflohenen sind. Das wollen Leute, wie der Sänger und Songwriter Thomas Godoj nicht akzeptieren. Er und die anderen Mitglieder des im Juni 2017 gegründeten Vereins „Resqship“ sagen, dass es dem Gedanken einer freien, offenen und toleranten Weltgemeinschaft widerspricht, wenn Menschen unter diesen Umständen sterben. Menschenleben sollten als wertvoll und schützenswert betrachten werden. 

Deswegen musizieren Thomas Godoj, The Trouble Notes, Mira Boom und der Sänger Florian Nienerza bei einem Benefizkonzert in der Weststadthalle Essen. „Es ist eine von vielen Veranstaltungen, um auf unseren Verein und unsere Arbeit aufmerksam zu machen“, erzählt Chris. Sie betreut heute den Infostand von „Resqship“. „Mittlerweile ist so viel Geld zusammen, dass der Verein für die zivile Seenotrettung ein Schiff kaufen und im Sommer mit den Hilfsmaßnahmen auf dem Mittelmeer beginnen kann.“

The Touble Notes erzählen Geschichten ohne Worte

Mit den fast 30 Euro Eintrittsgeld pro Konzertkarte unterstützen die Besucher diese Maßnahmen und bekommen dafür auch etwas geboten. Langsam über den Abend Fahrt aufnehmen und die Stimmung von Akt zu Akt steigern mag auf anderen Veranstaltungen der Ablauf sein, nicht aber auf dieser. Mit der dreiköpfigen, internationalen Gruppe The Trouble Notes beginnt der Abend mit erstklassiger E-Violinenmusik, begleitet von Gitarre und Percussion. Instrumentalmusik mit den Elementen von Klassik, Gypsy, Flamenco und Jazz mit den Trends des 21. Jahrhunderts vermischt, oder wie sie es nennen: World Indie Fusion. Die Bandmitglieder von The Trouble Notes kommen aus drei verschiedenen Ländern: den USA, England und Deutschland und leben in Berlin, touren aber mehr um die Welt, als dass sie in der Hauptstadt sind. 

Egal, ob auf Festivals, ihren eigenen Shows oder als Straßenmusiker, The Trouble Notes reißen mit und erzählen Geschichten ohne Worte. In ihrem Song „Catalonia Calling“ vermischen sie die Klänge aus verschiedenen Kulturen, sodass westlich auf orientalisch trifft. Violinist Bennet Cerven sagt dazu: „Der Song drückt gut aus, warum wir auch heute hier sind. Frieden und Gemeinschaft für alle Länder ist uns wichtig. Wir verarbeiten als Band auch immer musikalisch unser Reisen, erzählen die Geschichten, da stand es außer Frage, dass wir mitmachen wollen.“ Schon im letzten Jahr hatte die Band für den Dokumentarfilm „Wenn Paul über das Meer kommt“, der die Geschichte des afrikanischen Flüchtlings Paul erzählt, den Song „Ghosts of the red sand“ komponiert. Sich einsetzen und aufmerksam machen, liegt ihnen also sehr am Herzen – nicht nur an diesem Abend in Essen. Das Publikum, was hauptsächlich für den Hauptact Thomas Godoj gekommen war, war hellauf begeistert: „Ich habe The Trouble Notes gerade zum ersten Mal spielen gehört und bin hin und weg. Die Musik ist mitreißend und voller Energie. Ich will am liebsten nur die Augen schließen und tanzen.“

Nur gemeinsam können wir etwas bewirken

Da es bei Thomas Godoj rockig abgeht, war der Deutsch-Pop von Florian Nienerza und Mira Bloom, für manch einen gewöhnungsbedürftig, aber schließlich ging es an diesem Abend um die Gute Sache und nicht um Genres. Florian Nienerza sing in seinem Lied „Zusammen im Chor“ darüber, dass wir nur gemeinsam etwas bewirken können. Und genau das ist der Grund für dieses Konzert.

Als Thomas Godoj dann endlich für fast zwei Stunden auf der Bühne steht, gibt es kein Halten mehr, die ganze Halle tanzt, singt und grölt. Was Godoj da abliefert, ist eine Party. Ganz der Sache verschrieben, trägt er ein Shirt mit der Aufschrift „Resqship“ und singt auch immer wieder den Namen des Vereins. „Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie nah mir gewisse Bilder gehen, wenn ich die sehe. Ich bin selbst Vater von zwei Kindern. Ich finde es fantastisch, dass es auch Leute gibt, die aufs Mittelmeer rausfahren, um Menschen zu retten.“ 

„Es ist eine harte Platte für harte Zeiten“

Der Sänger steckt nicht nur in die Vereinsarbeit, sondern auch in seine Musik seine Überzeugungen. „Es ist eine harte Platte für harte Zeiten“, erzählt er über sein neues Album „13 Pfeile“ was am 25. Mai erscheint und von dem er bereits einige Stücke spielt, so beispielsweise „Auf die Freiheit“. Seinem Publikum in Essen erklärt er den Hintergrund des Liedes: „Wenn ich sehe, dass es Leute da draußen gibt, die meinen, neonazistische und antisemitische Parolen in die Welt zu rufen, könnte ich mich aufregen. Und bei dem Gedanken, dass wir irgendwelche scheiß Nazis bei uns im Bundestag haben, die die Welt verändern wollen, muss ich kotzen. Was im Bundestag sitzt ist für mich keine Option.“

Wenn auch nicht immer politisch korrekt, aber mit Herzblut geht Godoj mit seinen Ansichten an die Öffentlichkeit. Besucherin Anja verfolgt Godojs Schaffen schon länger und findet es toll: „Wir brauchen mehr Personen des öffentlichen Lebens, die sich so klar positionieren. Sie sind ein Sprachrohr. Ich glaube daran, dass sie Menschen erreichen können. Dass sie etwas bewegen können.“ Dran glaubt auch „Resqship“ und ist glücklich, Thomas Godoj in ihren Reihen zu haben.

Von Melina Seiler
Veröffentlicht am 10.05.2018