Wenn der Krieg den Vater nimmt

Cover des Films. Foto: Andreas Fischer
Auf dem Bild ist ein originaler Wehrpass zu sehen. Foto: Andreas Fischer
Auf dem Bild sieht man gefallene Soldaten an dem Ort ihres Todes. Foto: Andreas Fischer
Anderer Film der Reihe. Foto: Andreas Fischer

HAGEN. Vor rund einem Jahr wurde Ingeborg Szepanski für den Dokumentarfilm „Töchter ohne Väter“ interviewt. Dieser thematisiert die Situation von neun Frauen, welche im Zweiten Weltkrieg ihre Väter verloren. Für sie war es damals nicht leicht, während der Dreharbeiten über ihre Situation zu sprechen, aber dennoch bedeutet ihr der Film sehr viel.

Die Dreharbeiten zum Dokumentarfilm fanden in Wuppertal in einer Jugendstilvilla statt, wie Ingeborg Szepanski berichtet. Alle Frauen erzählen im Rahmen eines Interviews von Eindrücken und teilweise letzten Erinnerungen, welche sie mit ihren Vätern verbinden und wie sie dadurch geprägt wurden. „Der Regisseur ist ein Bekannter meiner Tochter. Er hat 50 Interviews gemacht und am Ende acht Frauen ausgewählt“, erinnert sie sich zurück. Doch ihm fehlte noch eine ruhigere Person, die mit beiden Beinen im Leben steht. Daraufhin rief er sie an und engagierte sie für die Dokumentation. Ingeborg Szepanski berichtet, dass sie nicht für den Dreh geschminkt wurde. Es wurde einfach direkt die Fragen gestellt und die interviewten Frauen konnten keine Antworte wiederholen. „Wenn du dann vor der Kamera sitzt, ist das ein Erlebnis. Dann schaut sich der Regisseur das an und sagt, ob das passt oder eben nicht“, erinnert sie sich an die Dreharbeiten zurück.

Über den Film

Der Film ist insofern gelungen, da man einen Eindruck von der damaligen Gesamtsituation bekommt. Interessant ist, dass der Film aus der Sicht der Kindheit berichtet. Der Zuschauer bekommt daher schnell den Eindruck, dass diese Ereignisse bis heute nicht richtig verarbeitet wurden. Sowohl von den Interviewpartnern als auch von den Ehefrauen der gefallenen Männer. „Das Schlimmste war, nicht darüber sprechen zu können“, fasst die betroffene Bettina Hausmann zusammen, als es darum geht, wie mit dem Verlust umgegangen wurde. Der Verlust des Vaters durch den Krieg wirkte sich bei den neun Frauen, die im Film interviewt werden, auf das ganze weitere Leben aus. Auch Ingeborg Szepanski fragt sich heute noch, wieso gerade ihr Vater sterben musste: „Ich musste immer die Starke in der Familie sein, aber ich hätte mich auch gerne mal angelehnt und eine väterliche Figur gehabt, aber die hatte ich nicht.“

Der Tod als Tabuthema

Aus den Geschichten einiger Frauen wird deutlich, dass der Tod eine Art Tabuthema war. Einigen Frauen wurde sogar untersagt, über das Thema zu sprechen. Dazu erzählt auch die interviewte Hiltrud Pause in einem der Interviews: „Wann wird man heiser? Man wird heiser, wenn einem irgendwas die Sprache verschlägt, wenn einen etwas so stark berührt, dass man nicht mehr sprechen kann.“ Bei „Töchter ohne Väter“ handelt es sich um wahre Geschichten aus „erster Quelle“. Der Film zeigt durch die persönlichen Geschichten der interviewten Frauen, wie es ist, den Vater im Krieg zu verlieren und welch einen gravierenden Einfluss dieser Verlust auf das Leben hat. „Wir hätten Hilfe als Kinder gebraucht“, fasst Ingeborg Szepanski die schreckliche Zeit zusammen. 

Von Isabel Scheele
Veröffentlicht am 03.11.2017