Britisches Königshaus

Wenn Hollywood nach Windsor kommt - Ein Spektakel mit fadem Beigeschmack

Das frisch vermählte Brautpaar, der Duke und die Duchess of Sussex. Foto: Kensingtonroyal

Ein Kommentar. Es war wohl das außergewöhnlichste royale Event aller Zeiten. Am Samstag, den 19. Mai läuteten für Prince Harry und Meghan Markle im kleinen Örtchen Windsor, verfolgt von hunderttausend gespannten Fernsehzuschauern, die Hochzeitsglocken.

An einem wunderschön sonnigen Tag gaben sich die 38-jährige amerikanische Schauspielerin, bekannt durch die Anwaltsserie „Suits“, und der 36 Jahre alte Prinz, in der Saint George’s Chapel auf Windsor Castle, das Jawort. Zu der eigentlich privaten Hochzeitszeremonie hatte der Bräutigamvater, Prince Charles of Wales, geladen, welche aber auf Wunsch des Brautpaares live im Fernsehen übertragen wurde, so dass Fans auf der ganzen Welt, daran teilhaben konnten. Es war ein großes mediales Ereignis mit 600 geladenen Gästen unter denen sich viele prominente Freunde des Paares, wie Sir Elton John, Oprah Winfrey oder Amal und George Clooney befanden. 

Für Verwunderung sorgten Überraschungsgäste wie Sarah Ferguson (Fergie), die Tante von Prinz Harry, die durch die Scheidung von Prinz Andrew, und aufgrund diverser Skandale sonst nie zu royalen Events eingeladen wird, sowie Harry’s langjährige Ex-Freundin Chelsy Davy. Sie sah im Übrigen auch nicht besonders glücklich aus und hätte sich wohl gerne selbst als Braut an seiner Seite gesehen. Aber seien wir mal ehrlich, wem geht es da nicht so?
Aus Meghan’s Sicht muss die Anwesenheit der Ex-Freundin ihres baldigen Ehemanns, wohl auch ein schwerverdaulicher Umstand gewesen sein. Denn welche Braut hat schon gerne die Ex-Freundin ihres Zukünftigen an ihrem besonderen Tag dabei?

Neben den Überraschungsgästen sorgten leider nur noch die festlichen, bunten Kleider mit ausgefallenen Fascinators, der traditionellen Kopfbedeckung der englischen Damengesellschaft für Aufsehen. Ganz im Gegensatz zum Kleid der Braut. Bereits seit der offiziellen Bekanntgabe der Verlobung im November 2017, gab es viele Spekulationen über das Kleid der einstigen Hollywoodschauspielerin. Typisch britisch wurden von der Bevölkerung schon weit im Vorfeld Wetten über den Designer, den Schnitt und die genaue Farbe des Kleides abgeschlossen. 

Entgegen aller Erwartungen, erschien sie dann am großen Tag jedoch in einer schmucklosen, weißen Hochzeitsrobe aus dem Haute-Couture Haus der französischen Marke „Givenchy“. Keine Spitze, kein Tüll und auch keine Perlen. Ein ganz schlichtes, meiner Meinung nach leider schlecht sitzendes, langweiliges Kleid ohne jeglichen Glamourfaktor. An der Brust und Hüfte viel zu weit und der Stoff, der sich beim Gehen wie ein Teppich aufrollte, zu dick. Alles in allem für den enorm hohen Preis von angeblich 230.000 Euro, laut DailyMail, einfach zu unspektakulär. Hätte es wenigstens gepasst, dann hätte es eventuell die natürliche Schönheit der Braut hervorgehoben und ihre schlanke Silhouette unterstrichen. 
Schön war der komplimentierende U-Bootausschnitt, das von Queen Elizabeth II. geliehene, diamantenbesetzte Diadem und der fünf Meter lange Seidentüllschleier. Dieser war mit den 53 Staatsblumen des Commonwealth, der kalifornischen Staatsblume und der im Kensington Palace beheimateten Winterblüte bestickt. Ein wirklich starkes Zeichen der Feministin Markle, das symbolisch für die Eheschließung des Brautpaares und somit für die Zusammenführung zweier Kulturen stehen sollte.

Zu den traditionellen, fast schon veralteten und etwas spießig wirkenden Elementen einer klassisch britisch royalen Hochzeit in der anglikanischen Kirche, stach ein Element der Zeremonie besonders hervor. Die typisch animierende Predigt des US-Bischofs Michael Curry über die wahre Liebe. Sie sorgte nicht nur bei den royalen Familienmitgliedern für einen Moment der Verwunderung. Leicht irritiert lauschten sie den ihnen nicht bekannten Klängen des passionierten afroamerikanischen Geistlichen, der voller Leidenschaft und Hingabe versuchte, seine Botschaft zu übermitteln. Ein elusteres Spektakel, das bei mir und bestimmt auch vielen anderen Fernsehzuschauern für Schmunzeln sorgte. Ein passioniertes „Halleluja“ aus den Gästereihen, hätte diesem geschichtsträchtigen Moment wohl noch die Krone aufgesetzt.

Angepriesen als die Traumhochzeit des Jahres, war es schlussendlich eine ganz nette, jedoch fast schon normale Hochzeit mit einem kleinen royalen Touch, zweier sich innig liebenden Menschen. Wer also auf langweilig aber romantisch steht, der kam bei dieser Hochzeit vollends auf seine Kosten. 

Von Nina Gutzeit
Veröffentlicht am 21.05.2018