Kunst und Social Media

#Art − Kunst geht online

Die neuste Arbeit von dem Künstler Tejas Mayekar, @creativityexplode. Foto: Tejas Mayekar
Die Kunst von Dian Aries Pamungkas besteht größtenteils aus Designs für Jacken oder T-Shirts. @riessolution Foto: Dian Aries Pamunkas
Christin Pascher hat die neue Kunstrichtung "Resinart" für sich entdeckt, bei der mit Formen und Kunstharz gearbeitet wird. @res_in.pease Foto: Christin Pascher
Helin Söyünmez zeigt auf ihrer Instagram Seite ihr Leben, die Kunst ist ein Teil davon. Foto: Helin Söyünmez

Soziale Netzwerke werden normalerweise nur mit Influencern und Memes verbunden. Doch diese bieten nicht nur Privatpersonen die Möglichkeit eine Community aufzubauen, sondern auch Künstlern. Die Artcommunity auf Instagram wird immer größer und neben bereits bekannten Künstlern teilen auch Hobby-Künstler ihre Werke online. Kunst online präsentieren − was heißt das eigentlich?

OEDING. Social Media wird immer größer. Neben Profilen von Einzelpersonen und Unternehmen gibt es auch zahlreiche Seiten für Sport, Musik, Politik, Fashion und Kunst. Kunst wird auf Social Media geteilt, promotet, erklärt und unterstützt. Ob Do-It-Yourself, Tutorials oder einfach nur Bilder von fertigen Werken − auf Plattformen wie Instagram gibt es alles. Unter dem Hashtag Art befinden sich auf Instagram 635 Millionen Beiträge in den verschiedensten Kunstrichtungen.

#Art beschränkt sich nicht nur auf eine Kunstrichtung. Neben klassischen Werken, wie Landschaftsbildern oder Portraits, werden auch Werke mit politischen und kulturellen Hintergründen gepostet. Einer der bekanntesten gesellschaftskritischen Künstler ist der Streetart Künstler Banksy. Als Streetart Künstler weiß niemand, wer er wirklich ist, bekannt ist er lediglich durch seine Kunst. Er postet seine Kunst auf seiner Instagram Seite mit etwa 9 Millionen Abonnenten.  Diese nutzt Banksy jedoch nicht ausschließlichen zum Promoten seiner Kunst, sondern um seine Werke als seine zu verifizieren. Ein Bild oder eine Skulptur ist erst offiziell von ihm, wenn er ein Bild davon auf seiner Instagram Seite gepostet hat.

„Wir unterstützen uns immer gegenseitig“

Neben bereits bekannten Künstlern wie Banksy, benutzen auch viele neue Künstler Social Media Plattformen, um ihre Werke zu teilen. Der 20-jährige Student Tejas Mayekar benutzt seine Instagram Seite @creativityexplode, nicht nur um seine eigenen Bilder zu zeigen, sondern featuret auch viele andere Künstler auf seiner Seite. „Neben dem klassischen Zeichnen interessiere ich mich besonders für Digital Art und Character Design“, sagt Tejas zu seiner eigenen Kunst.

Er selbst sagt, dass es ihm persönlich stark geholfen hat, seine Bilder online zu posten, da er auch viel Unterstützung von anderen Künstlern erhalten hat. „Ich habe auf Social Media wirklich sehr viele talentierte Künstler kennengelernt und wir unterstützen einander.“ Neben der Unterstützung durch andere Künstler bietet dies auch die Möglichkeit Kommentare von anderen Leuten zu bekommen. „Es ist wirklich schön und es motiviert mich, wenn ich in Kommentaren lese, dass anderen Leuten meine Kunst gefällt“, sagt Tejas.

Der 27-jährige Künstler Dian Aries Pamunkas sieht in der Online-Art-Community „einen guten Ort, um sich auszuprobieren, andere kennenzulernen und durch Kritik und Unterstützung anderer zu wachsen.“ Seine Kunstrichtung geht mehr in Richtung Design. „Ich zeichne Designs für Shirts, Jacken und Bandmerchandise“, erklärt er. Diese Designs werden dann auch teilweise, nach Absprache verkauft.

„Ich habe diese Kunst einfach für mich entdeckt“

Neben der klassischen Variante der Kunst, haben sich auch weitere neue Teilbereiche gefunden. „Meine Art der Kunst heißt Resinart“, erklärt die 24-jährige Christin Pascher. Unter #resinart befinden sich auf Instagram inzwischen rund 2,6 Millionen Beiträge. „Als Resinartist gieße ich mit Kunstharz Formen“, erläutert sie. Die Formen, die Resinartists benutzen, können unterschiedlich sein. Es können Kreise, Vierecke, Symbole oder andere Formen sein. „Ich persönlich gieße am liebsten Halloweenformen, einfach nur weil ich Halloween mag.“

Die Silikonformen, welche für Resinart benutzt werden, können die Künstler kaufen oder auch selbst herstellen. „Ich mache meine Formen selbst. Das heißt, ich zeichne erst an meinem Computer eine Form, die mir gefällt. Die Zeichnung wird dann in ein 3D-File umgewandelt und diese lasse ich dann von meinem 3D-Drucker drucken“. Neben den Formen kann der Künstler auch für sich selbst entscheiden, ob er lediglich eine Farbe verwenden, Glitzer ergänzen oder wie Christin Effekte erzeugen möchte. „Ich arbeite mit der Schwere der Pigmente. Das heißt, dass ich erst leichte Pigmente in die Form gieße und dann schwerere Weiße dazu. Diese sinken dann zu Boden und erzeugen Effekte“, sagt sie.

Christin hat Resinart lediglich durch eine andere Künstlerin auf Instagram für sich entdeckt. „Ich habe das gesehen und fand das interessant, also habe ich am nächsten Tag alles Nötige bestellt und es ausprobiert“. Inzwischen hat Christin zwei Instagram Seiten für ihre Resinart, eine auf der sie ihre eigenen fertigen Kreationen zeigt und eine auf der sie Ihre Silikonformen zeigt und auch verkauft. Sie hat ihr Gewerbe erst im Januar angemeldet und letzten Monat allein durch das Verkaufen von Silikonformen 250 Euro verdient.

„Meine Kunst ist einfach ein Teil von mir“

Es gibt viele Künstler, die eine eigene Seite für ihre Werke auf Instagram eröffnen. Die 26-jährige Helin Söyünmenz hat sich jedoch entschieden es etwas anders anzugehen. Ihre Abonnenten bekommen eine Mischung aus ihrem Leben zu sehen. „Ich zeige mich und mein Leben. Ich zeige das was mir gefällt, das heißt ich poste Outfits, die mir gefallen, Fotos von mir und natürlich meine Kunst“. Das Posten von Kunst sieht sie als eine Art des Abschaltens an, „dadurch beschäftigen sich die Leute mit anderen Dingen. Kunst ist da wie eine Meditation oder ein Buch, es gibt ihnen die Chance einfach mal weg zu kommen“.

Ihre Kunst beschreibt sie selbst als vielfältig: „Ich kann mich nicht wirklich festlegen, ich mache alles von Landschaftsbildern zu Portraits und abstrakten Arbeiten“. Am liebsten arbeitet sie mit Acrylfarbe. Sie interessiert sich jedoch auch stark für Design von Kleidung. „Ich male das was ich fühle, die einen berühren meine Bilder, den anderen gefallen sie nicht“. Neben Bildern, die ein Ausdruck ihrer Persönlichkeit sind, macht sie auch Auftragskunst, welche sie dann verkauft. „Ein Bild im Maßstab ein Meter mal ein Meter kostet so ungefähr 300 Euro“, sagt sie. Neben Auftragsarbeiten gibt es auch die Möglichkeit, wie andere Influencer auch, mit gesponserten Posts Geld zu verdienen. Tejas hat sich jedoch dafür entschieden, dies zurzeit nicht zu machen: „Ich muss die Produkte immer vorher testen und ich würde kein Produkt bewerben, von dem ich nicht hundert Prozentig überzeugt bin“.

Auf den sozialen Netzwerken gibt es viele verschiedene Kunstformen und Künstler. Karikaturen, Digitale Kunst, klassische Kunst – für jeden Kunstliebhaber ist etwas dabei. Und wenn es eine Richtung noch nicht gibt, dann wird es neue Künstler geben, die diese für sich entdecken werden. Jeder Künstler fängt klein an, „denn du weißt nie, wie weit du es schaffen kannst, wenn du es nicht versuchst“, sagt Tejas.

Von Jasemin Rafati Sajedi
Veröffentlicht am 15.05.2020