Hemer rockt – Rekordzahl beim Rudelsingen

Vorsänger Hannes Weyland sorgte für die ausgelassene Stimmung beim Rudelsingen in Hemer. Foto: Rebecca Schlummer
Die Stimmung im Alten Casino war auf dem Höhepunkt. Foto: Rebecca Schlummer

HEMER. Laut einer Umfrage trauen sich viele Menschen nicht, laut zu singen. Der Grund dafür: ihnen wurde schon mindestens einmal gesagt, dass sie nicht singen können. Beim Rudelsingen kommt es allerdings nicht vorrangig auf Talent an, dort steht der Spaß im Vordergrund – und der kam in Hemer nicht zu kurz.

Um 19:30 Uhr zieht ein lautes „OH-OH-OH“ durch das „Alte Casino“ im Sauerlandpark Hemer. Knapp 300 Menschen stehen eng beieinander, singen lauthals „Über den Wolken“ von Reinhard Mey, reißen die Hände in die Luft und bewegen die Arme im Takt von links nach rechts. Hemmungen, zu singen, hat hier niemand, dass merkt man sofort.

Sänger und Gitarrist Hannes Weyland und Pianist Philip Ritter sind zum ersten Mal mit ihrem Rudelsing-Programm in Hemer und sprechen gleich zu Beginn des Abends von einem neuen Rekord. Noch nie zuvor haben sie zu einer Premiere so viele Menschen begrüßen dürfen. Die Gäste jubeln. Die Stimmung steigt. Doch wie es das Rudelsingen vorsieht, müssen zunächst einmal die Regeln des Abends geklärt werden. Erste und wichtigste Regel dabei: gesungen wird nur im Stehen. Schade für die Menschen, die bis zu Beginn des Abends ihre Plätze vor der Bühne hart verteidigt haben - könnte man annehmen. Nach dem ersten Lied ist allerdings klar, hier hält es keinen lange auf dem Stuhl. Es wird gesungen, geschunkelt, gejubelt und gelacht – und das meist alles gleichzeitig. Die Veranstalter haben eine bunte Mischung aus alten Klassikern, modernen Pop-Songs, Schlagern und Medleys zusammengestellt, sodass für jeden etwas dabei ist.

Die Songtexte werden groß an eine Leinwand gestrahlt, die Musiker führen mit Witz und ihrer locker-flockigen Art durch den Abend. Zu jedem Song haben sie eine kleine Anekdote mitgebracht, die die Gäste zum Lachen bringt. So kündigt Vorsänger Hannes Weyland, der selbst für einige Jahre in Hemer gewohnt und noch viele Bekannte in der Stadt hat, den nächsten Song von ABBA mit den Worten an: „Wenn man mir damals gesagt hätte, dass ich mal im Alten Casino zusammen mit 300 Leuten Dancing Queen singe, hätte ich mich vermutlich umgebracht“. Die Menge grölt vor Lachen und die Stimmung ist bereits nach dem ersten Lied auf dem Höhepunkt. Auch die zwei Pausen von 15 Minuten können da keinen Abbruch tun. Die Menschen sind gelöst, haben sichtlich Spaß und ein Grinsen zieht sich ununterbrochen durch jedes Gesicht im Saal. Hier steht ganz offensichtlich der Spaß im Vordergrund. Man steckt sich gegenseitig mit der Freude und Energie an, die im ganzen Saal zu spüren ist. Der Boden bebt förmlich, während die Menschenmenge Lieder wie „Chöre“ von Mark Forster oder „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen singt. Gleich darauf wird es romantisch. Alle liegen sich in den Armen und schunkeln von links nach rechts zu „Griechischer Wein“ und „Champs-Élysée“. Laut Gitarrist Hannes Weyland wurde letzteres in diesem Jahre erneut erzählt, nun allerdings auf Deutsch. Die Gäste im Alten Casino wissen sofort Bescheid und rufen im Chor „Je ne parle pas francais“. Es scheint ganz selbstverständlich, dass auch auf anderen Sprachen gesungen werden kann. Die Gäste beherrschen den französischen Akzent zumindest ziemlich gut. Jedes Lied ist ein Höhepunkt und wird lauthals mitgesungen. Von Stunde zu Stunde merkt man, wie der Boden mehr und mehr anfängt zu kleben. Die Füße zum Tanzen hochzunehmen, wird von Lied zu Lied schwieriger. Hier kann niemand mehr sein Glas fest genug halten, um nichts zu verschütten. Alle Körper sind in Bewegung. Alle sind voller Tatendrang. Alle tanzen was das Zeug hält.

Abgerundet wird der ganze Abend von dem besonderen Flair, der im Alten Casino herrscht. An der Decke hängen Kronleuchter, die Wände werden durch warmes, stimmungsvolles Licht beleuchtet, die Menschen sind glücklich. Man kann sich problemlos fallen lassen und den Abend hemmungslos genießen. Hier fühlen alle das gleiche – pure Freude.

Abschließend kann man sagen, dass an diesem Abend eine ganz beeindruckende Stimmung im Sauerlandpark zu spüren war. Das Rudelsingen macht seinem Namen alle Ehre – denn aus der einstigen Menschenmasse wurde ein Rudel, dass zusammen gesungen und gelacht hat, getanzt und gegrölt hat und sich des Lebens gefreut hat. Musik berührt – Musik bewegt – Musik verbindet – so lässt sich der Abend wohl am besten beschreiben.

Von Rebecca Schlummer
Veröffentlicht am 07.10.2018