Nebel mit Minzgeruch

Jeder weiss: Zigaretten sind schädlich und verursachen Krebs- im schlimmsten Fall kosten sie einen das Leben. Die Warnhinweise sind unmissverständlich. Als Raucher ist man sich dieser Gefahr bewusst, sieht jedoch drüber hinweg. Das Rauchen an sich hat ein zu großes Suchtpotential, als dass ein Bild von einem toten Embryo das Verlangen schlagartig beendet. Doch ist Shisha rauchen nicht mindestens genau so schlimm? Oder sogar schlimmer?

Es ist Mittwochabend, ich sitze in einer Shisha - Bar. Ich bin 20 Jahre alt, ich darf das. Nebenan am Tisch eine Gruppe aus sechs Personen- Jungs und Mädchen. Sie haben noch nichts bestellt. Ich frage mich ob sie schon volljährig sind. Die Mädchen tragen kurze Hosen, bauchfreie Oberteile und starkes Make-up. Als der Kellner an den Tisch kommt, nimmt er die Bestellung auf. Er bittet keinen um einen Altersnachweis. „Die sind niemals 18“, denke ich.

Phänomen Shisha

Das Phänomen Shisha zeichnet sich dadurch aus, dass Shisha rauchen mindestens genau so schädlich ist, wie der Konsum von herkömmlichen Zigaretten. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung, kann es beim Langezeitkonsum von Shishas auch zu gesundheitlichen Schäden kommen. Man raucht in beiden Fällen Tabak, mit dem einzigen Unterscheid, dass dieser in der Shisha noch mit Melasse oder Glycerin gemischt wird. Nur dass Zigarettengeruch für Dritte meist als unangenehm empfunden wird, während der Rauch aus der Shisha nach Minze, Erdbeere, oder Limette riecht.

„Rauchen verboten“

Doch warum wird der Zigarettenkonsum angeprangert als würde man etwas strafbares tun? In Bars, Kneipen Restaurants- strenges Rauchverbot. Sogar an Bahnhöfen wird man in einem gelben Quadrat, welches auf den Boden gemalt ist, zusammengepfercht. Wie Hühner in Massentierhaltung muss man seine Zigarette in dem gelben Viereck genießen, um die anderen Reisenden bloß nicht mit dem Passivrauch zu infizieren. Die EU Kommission fordert immer wieder strengere Gesetzte für Zigaretten. Vor ein paar Jahren hieß es noch, wenn die Steuern erhöht werden, sinkt die Zahl der Konsumenten. Auf der offiziellen Internetseite der EU Kommission sind setzt diese sich weitestgehend für ein Verbot von Zigaretten mit Geschmacksoffen ein. Bald sollen sogar Menthol - Zigaretten verboten werden. Hierzu gibt es strenge Richtlinien. Eine davon lautet: „Verbot von Zigaretten und Drehtabak mit charakteristischen Aromen.“
Doch Shisha-Tabak darf Aromen enthalten.

Ein weiterer Punkt der Kommission ist es Internetverkäufe von Tabak und Tabakerzeugnissen zu verbieten. Es ist ein leichtes Shisha-Tabak online zu bestellen. Es gibt unzählige Hersteller, welche sich darauf spezialisiert haben. Sogar bei Amazon kann man von verschiedenen Anbieter alle möglichen Sorten erhalten. Normale Zigaretten jedoch nicht.

Generation Shisha

Wohingegen in den achtziger Jahren so gut wie alle Zigaretten geraucht haben, ist dies heute seltener der Fall. Besonders bei Jugendlichen geht der Zigarettenkonsum zurück. Dies zeigen auch Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Nichtrauchen liegt im Trend- scheinbar. Viele Jugendliche rauchen stattdessen die bekannte Wasserpfeife. Auch immer mehr Freizeitgestalter richten sich auf diesen Trend ein. Clubs bieten zusätzlich zu Getränken und einer Tanzfläche eine Möglichkeit an die arabische Wasserpfeife zu konsumieren. Durchaus lukrativ, bei dem Umbruch, welcher zu erkennen ist. Das Skurrile: Eltern, besonders von minderjährigen, scheint es weniger zu stören als der Konsum von Zigaretten. Der Grund ist, dass viele Eltern sich nicht auskennen und sich über das Krebsrisiko nicht bewusst sind. Das liegt daran dass die Medien in dem Bereich wenig informieren. Jeder weiß dass Rauchen schädlich ist, doch wie viele wissen, was regelmäßiger Shisha-Tabakkonsum für Folgen hat.

Die Ausweiskontrollen sind übersichtlich

In einer Shisha - Bar als Kellner zu arbeiten ist bei der hohen Nachfrage ein lukrativer Nebenjob. Jedoch setzten sich die meisten Angestellten in den Bars nicht mit dem Alter der Gäste auseinander. „Wir sollten schon Ausweise kontrollieren. Ein paar mal habe ich auch Gäste rausgeschmissen, die Minderjährig waren. Trotzdem hat es eigentlich gereicht wenn eine aus der Gruppe volljährig war, die Person, die die Shisha bestellt hat. Ich weiss dass sich die Minderjährigen gar nicht drinnen aufhalten dürfen, aber so waren die Vorgaben.“ Berichtet eine ehemalige Kellnerin aus ihren Erfahrungen. Wohingegen in Diskotheken immer Ausweispflicht herrscht, ist dies hier scheinbar nicht der Fall.

 

Ein Gutes hat der Shisha-Konsum im Gegensatz zu Zigaretten. Die Wasserpfeifen sind nicht immer und überall verfügbar. Auch wenn eine gewisse Abhängigkeit besteht kann man sie nicht überall nutzen, welches den Konsum enorm einschränkt.

Nach zwei Stunden in einer Shishabar riecht meine Jacke. Aber nicht angenehm nach Minze oder Zitrone, sondern muffig und irgendwie rauchig. Ich bezweifle dass die Lüftungen den schädlichen Passivrauch aus den Räumen der Bar entfernen. „Also ist der Passivrauch sicherlich auch ein Problem.“, denke ich.

Von Isabel Scheele
Veröffentlicht am 30.10.2018